KONSUMENT.AT - Globales Artensterben - Die Corona-Krise als Alarmsignal: Wir brauchen intaktes Ökosystem!

Globales Artensterben

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KONSUMENT 5/2020 veröffentlicht: 30.04.2020

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Das globale Artensterben ist dramatisch, lange können wir als Gesellschaft nicht mehr tatenlos zusehen. Vielleicht ist gerade die Corona-Krise der Wendepunkt.

Franz Essl ist Ökologe an der Universität Wien und Mitglied im Leitungsteam des 2019 gegründeten österreichischen Biodiversitätsrates. Im KONSUMENT-Interview nimmt er kein Blatt vor den Mund: Ökosysteme drohen zu kollabieren; das Zeitfenster, in dem noch gegengesteuert werden kann, schließt sich.

KONSUMENT: Herr Essl, laut UNO-Bericht befinden wir uns im sechsten großen Artensterben der Erdgeschichte. Von den acht bis zehn Millionen Tier- und Pflanzenarten ist eine Million vom Aussterben bedroht. Das Bienensterben ist nur die Spitze des Eisbergs. Und Schuld trägt, wie bei der Klimakrise, wohl der Mensch. Doch sagen nach wie vor viele: „Was juckt mich das, mich trifft das eh nicht.“ Ein Trugschluss? Herr Essl: Dass wir Menschen das Ökosystem Erde übernutzen, Schrägstrich zerstören, steht völlig außer Frage. Die von Ihnen zitierten Zahlen sind ein absolutes Alarmsignal. Warum? Weil unsere Gesellschaft untrennbar eingebettet ist – und das zeigt die Corona-Krise sehr deutlich – in das Ökosystem Erde.

Welchen konkreten Nutzen haben intakte Ökosysteme für uns alle?
Unsere Nahrungsmittelproduktion hängt davon ab. Nur in einer ausbalancierten Umwelt kann sie langfristig gesichert werden. Intakte Ökosysteme sind auch Voraussetzung dafür, dass wir beim Klimawandel zumindest einen Teil der gravierendsten Folgen vermeiden können – Überschwemmungen, Hochwässer usw. Wenn wir Artenvielfalt, Biodiversität, intakte Ökosysteme und Ressourcen systematisch übernutzen, wenn wir Raubbau an Meeren oder Wäldern betreiben, dann geht das vielleicht eine Zeit lang gut. Aber irgendwann überschreiten wir sogenannte Kipp-Punkte, die zu immer gravierenderen und irreversiblen Schäden führen.

Zitat von Herrn Essl;

Und wie schnell könnten wir solche Kipp-Punkte erreichen?
Es ist unvorhersehbar, wann genau es passiert. Aber es kann sehr rasch gehen. Darum stelle ich bewusst den Konnex zur Corona-Krise her. Es ist ein Alarmsignal, das wir generell für unsere Gesellschaft ableiten können und sollten. Wir manövrieren uns in immer größere Risikozonen hinein. Das kann für unsere hochtechnisierte Gesellschaft schnell überfordernd werden. Jetzt ist es eine Pandemie. In einer anderen Situation ist es vielleicht ein gravierender Ernteausfall, der globale Folgen hat.

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