KONSUMENT.AT - Büffelmozzarella - Marktmacht des Handels

Büffelmozzarella

Blutiger Käse

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KONSUMENT 11/2019 veröffentlicht: 24.10.2019

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Noch ein langer Weg

Kampagnenleiterin Nina Jamal von Vier ­Pfoten: "Was uns am meisten enttäuscht hat, ist, dass solche lösbaren Probleme nicht angegangen werden." Positiv sei, dass das Consorzio an Verbesserungen mit den Farmen arbeite. Vier Pfoten werde dazu eingeladen, Kurse für die Büffelzüchter abzuhalten.

Das sogenannte Classyfarms-Projekt habe eine Check­list geschaffen, die es den Betrieben ermögliche, Schwächen aufzudecken. Der Report hat unter den 27 untersuchten ­Betrieben immerhin drei ausgemacht, wo gewisse Verbesserungen durchgeführt wurden – zum Beispiel die Schaffung von Wassertümpeln oder andere Maßnahmen zur Kühlung. "Ein Anfang ist gemacht, aber die Industrie hat noch einen langen Weg vor sich", so Jamal.

Die erste Veröffentlichung der Missstände im Jahr 2014 habe einiges in Bewegung gebracht, ist sich Jamal sicher. Die Industrie zeige Gesprächsbereitschaft, die Supermärkte seien aufmerksam geworden, ­hätten Auflagen erteilt und Kontrollmöglichkeiten geschaffen. Anfangs habe das Consorzio betont, es sei nur für die Qualität der Milch zuständig. "Mittlerweile wird ­kommuniziert: Mehr Tierwohl heißt auch bessere Milchqualität."

Marktmacht des Handels

Dem Handel kommt aufgrund seiner Marktmacht eine wichtige Rolle beim Tierschutz zu, indem er die Einhaltung bestimmter Kriterien verlangt und Kontrollen durchführen lässt. Vier Pfoten hat die Maßnahmen von 13 Supermarktketten im deutschsprachigen Raum bewertet, darunter Hofer, Rewe und Spar in Österreich.

Allgemein haben die Unternehmen die Brisanz des Problems erkannt, an Verbesserungen wird nach wie vor gearbeitet. Vier Pfoten hat uns den letzten Stand der Bewertungen am 18. 10. 2019 bekanntgegeben. Demnach liegen die drei österreichischen Ketten knapp beisammen, mit leichtem Vorteil für Spar.

Besonders hervorzuheben sind bei Spar die ­Häufigkeit der Kontrollen und die strengen Tierwohlkriterien. Der Spar-Konzern verdankt dies dem Umstand, dass er sich auf einen Lieferanten (Garofalo) konzentriert, der sich selbst strenge Standards auferlegt hat. Was das eigene Engagement betreffe, sei Hofer hervorzuheben, ergänzt Jamal, weil diese Kette mit der Universität in Neapel Kriterien erarbeitet hat, die über die Mindestanfor­derungen von Vier Pfoten hinausgehen. Überdies führe Hofer laut eigenen Angaben selbst unangekündigte Kontrollen durch. In Deutschland werden Aldi Nord und Süd besonders gut bewertet, in der Schweiz Migros.

Woran soll sich der Konsument halten?

Auf Gütesiegel zu achten, ist in jedem Fall sinnvoll, jedoch nicht ausreichend. Das Siegel für geschützte Herkunftsbezeichnung DOP signalisiert zwar nicht mehr nur hohe Produktqualität, sondern hat wie erwähnt begonnen, auch den Tierschutz zu berücksichtigen. Aber damit steckt man noch in den Kinderschuhen.

Und "biologischer Büffelmozzarella" ist nach Ansicht von Vier Pfoten auch nicht aussagekräftig genug. Denn die Bio-Standards sind auf Rinder allgemein ausgerichtet; die artgerechte Haltung von Wasserbüffeln – vor allem der erhöhte Wasserbedarf – ist dabei nicht berücksichtigt.

Nina Jamal rät daher Konsumenten, sich einerseits an der Vier-Pfoten-Bewertung zu orientieren. Besser wäre es aber, selbst bei den Supermärkten genau nachzufragen, woher ihr Büffelmozzarella stammt und unter welchen Bedingungen er hergestellt wird. Das würde dem Handel klar­machen, dass Tierwohl nicht nur den Tierschutzorganisationen, sondern auch den Konsumenten wichtig ist. Natürlich gilt es auch, den Konsum problematischer Produkte möglichst zu reduzieren, auf pflanzliche Nahrungsmittel umzustellen.

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