KONSUMENT.AT - Mauertrockenlegung und Mauerentfeuchtung - Kühlen Kopf behalten

Mauertrockenlegung und Mauerentfeuchtung

Gegen Mief und Moder

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Konsument 3/2007 veröffentlicht: 14.02.2007

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Keine Pauschalempfehlung möglich

Die Mauertrockenlegung gehört zu den kompliziertesten bautechnischen Maßnahmen. Eine pauschale Empfehlung für die eine oder die andere Methode kann nicht gegeben werden, allein deshalb nicht, weil stets die jeweiligen Besonderheiten wie etwa Baustoff, Mauerdicke oder Durchfeuchtungsgrad berücksichtigt werden müssen. Und ein Aufsägen der Mauer kommt schon dann nicht infrage, wenn einfach der Platz für diese Arbeit fehlt.

Teuer und ungewisser Ausgang

Die unterschiedlichen Sanierungsarbeiten sind erstens nicht gerade billig und haben zweitens einen eher ungewissen Ausgang. Da klingen Versprechungen besonders verheißungsvoll, die das Feuchteproblem allein mit einem einfachen kleinen Gerät beheben wollen, das mit „Funkwellen“ bzw. „Gravo-Magnetismus“ arbeitet. Ohne umfangreiche Bauarbeiten, ohne Chemie, mitunter selbst ohne Stromzufuhr, wie es in der Werbung heißt.
Einfache Lösung?

Wundergeräte zur Mauertrockenlegung (Fotos: Reisinger, Grötzl)
Wundergeräte: So sehen die geheimnisvollen Geräte aus, die - ganz ohne Bauarbeiten und Chemie - die Mauer trocken legen sollen

„Gravo-Magnetismus“, „geoenergetisches Kraftfeld“

„Gravo-Magnetismus“, „Umweltenergie“, „geoenergetisches Kraftfeld“ – der einfache Konsument zuckt ratlos mit den Schultern, und dem gelernten Physiker sträuben sich die Haare: So etwas kann es doch gar nicht geben, es fehlen jegliche wissenschaftliche Beweise!

Die Sanierung von feuchtem Mauerwerk ist ohnehin ein Thema, das überaus kontrovers und emotional diskutiert wird, und in der Bewertung der „Zauberkästen“, wie die Geräte auch genannt werden, gehen die Wogen besonders hoch. Nicht wenige Kritiker oder enttäuschte Konsumenten sprechen gar von „Betrug“. Die Anbieter verweisen hingegen darauf, dass sie seit Jahren erfolgreich tätig seien und bereits Zigtausende Geräte im Einsatz stünden. Und selbstredend mit großem Erfolg.

Kühlen Kopf behalten

Versuchen wir, in dieser Auseinandersetzung einen kühlen Kopf zu behalten. Wir wollen auch nicht vorschnell Verurteilungen aussprechen, erstens, weil die Erfahrung zeigt, dass viele neue Ideen zunächst mit großer Skepsis betrachtet werden und zweitens, weil auch scheinbar unumstößliche naturwissenschaftliche Gesetze gar nicht so unumstößlich sind. Bestes Beispiel dafür ist die Physik selbst, die alle Jahrhunderte überholte Paradigmen verabschiedet um zu neuen, plausibleren Erklärungsmustern überzugehen. Soll also heißen: Auch wenn die neuartigen Ansätze zur Mauertrockenlegung mit dem heutigen Stand des Wissens nicht erklärbar sind und in manchen Ohren höchst dubios klingen, so müssen sie deshalb nicht unbedingt falsch sein.

"Patentiertes Verfahren": sagt wenig

Anbieter der Wundergeräte, die gerne die Endung -pol für ihren Firmennamen wählen (Aquapol, Wigopol, Mikropol, …), werben häufig mit Aussagen, die leicht missverstanden werden können. So zum Beispiel der Hinweis, es handle sich um ein patentiertes Verfahren. Das sagt ja wenig aus, denn die Patentschützer urteilen nur darüber, ob ein Produkt oder Verfahren in dieser Form noch nicht angewendet oder eingesetzt worden ist, und nicht darüber, wie effektiv es ist.

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