KONSUMENT.AT - Bekleidungsindustrie in Osteuropa - Ausweichende Antworten

Bekleidungsindustrie in Osteuropa

Prekäre Bedingungen

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KONSUMENT 2/2018 veröffentlicht: 25.01.2018

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Ausweichende Antworten

Ein Sprecher von Geox antwortete auf die Vorwürfe und verwies auf zwei Kontrollen von lokalen Behörden in der serbischen Fabrik. "Sozial-Audits (Verfahren zur Bewertung der sozialen Verantwortung eines Unternehmens, Anm.) werden in der Regel von Lieferanten bezahlt, weshalb kein Interesse daran besteht, wirkliche Probleme auszumachen", kontert Bettina Musiolek.

Zudem würden Interviews mit Beschäftigten nicht an Orten durchgeführt, wo diese frei sprechen könnten. "Das ist jedoch das wesentliche Instrument, die Realität der Arbeitsbedingungen zu erforschen", so Musiolek.

Auch Benetton verweist auf durchgeführte Audits in serbischen Fabriken, jedoch ohne näher auf die Vorwürfe einzugehen. Von Esprit haben wir trotz mehrmaligen Nachfragens keine Stellungnahme erhalten.

Hohe Subventionen, schwache Löhne

Länder wie Serbien bieten globalen Markenfirmen beinahe grenzenlose Subventionen. Beispielsweise setzen sie die staatlich fixierten Mindestlöhne extrem niedrig an. Und auch direkte Zuschüsse fließen bisweilen. Gewerkschaften sind sehr schwach, Tarifverhandlungen finden deshalb kaum statt.

Jobstandards ausgehöhlt

Ähnlich dramatisch ist die Situation in der Ukraine: Dort stiegen die Verbraucherpreise zwischen 2010 und 2017 um 134 Prozent, die Wohnnebenkosten explodierten in derselben Zeit um 465 Prozent. In der Ukraine und in Serbien enthüllen die Berichte der Beschäftigten, dass viele nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn erhalten.

"Diese Länder werden in ein Produktionssystem gezwungen, das aus den 1970er-Jahren stammt", weiß Musiolek. Markenfirmen lagern arbeitsintensive Produktionsschritte in Länder Ost-und Südosteuropas aus, Arbeitsplätze in westlichen Ländern gehen dadurch verloren.

Bessere Mindestlohnpolitik nötig

Die Menschenrechtsexpertin empfiehlt den Unternehmen, vor Ort mit Gewerkschaften und Arbeitern zu reden. Zudem fordert die Clean Clothes Campaign die Entwicklung einer Mindestlohnpolitik entsprechend der Europäischen Sozialcharta und internationalen Menschenrechtsnormen.

Dass auch EU-Abkommen mangelhaft sein können, zeigt das Beispiel Geor­giens: Hier wurden grundlegende Schutzmechanismen für Beschäftigte trotz eines EU-Assoziierungsabkommens bislang nicht umgesetzt.

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Kommentare

  • Erklärung fehlt
    von REDAKTION am 30.01.2018 um 11:10
    Die Farbenlehre ist hier wenig spektakulär. Die in der Grafik verwendeten Farben sollen nur die Lesbarkeit verbessern.
  • Erklärung fehlt
    von der besserwisser am 27.01.2018 um 22:29
    die erklärung zu den in der grafik verwendeten farben fehlt. bitte um nachtrag. danke!