KONSUMENT.AT - Computerhersteller im Ethik-Test - Code of Conduct

Computerhersteller im Ethik-Test

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Konsument 4/2007 veröffentlicht: 21.03.2007

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Theorie und Praxis

Das auffallendste Ergebnis dieser Untersuchung war die große Diskrepanz zwischen der offiziellen CSR-Politik der Unternehmen und der täglichen Praxis an den Stätten der Produktion. Die meisten Computerfirmen haben sich und ihren Zulieferbetrieben einen freiwilligen Verhaltenskodex (Code of Conduct) auferlegt, der den Mindeststandards der ILO (das ist die Internationale Arbeits-Organisation der UNO) entspricht. Aber es gibt keine systematische Überprüfung, ob die Zulieferbetriebe diese Standards tatsächlich einhalten. Das belegt das Ergebnis der Vor-Ort-Untersuchung. Verletzungen der Mindeststandards sind dort an der Tagesordnung: Zwang zu Überstunden, exzessive Überschreitung der zulässigen Arbeitszeit, ungenügender Schutz gegen gefährliche Chemikalien, Unterschreitung des örtlich geltenden Mindestlohnes. Dabei muss man davon ausgehen, dass die Arbeitsbedingungen in den untersuchten Betrieben noch vergleichsweise gut sind. Die Lieferanten der großen Konzerne reichen ja viele Arbeiten an Sublieferanten weiter, die sich der Kontrolle durch die Auftraggeber weitgehend entziehen; über die dortigen Verhältnisse gibt es so gut wie keine gesicherten Informationen.

Gute Vorsätze

Die Unternehmensbefragung veranschaulicht, dass die Computerindustrie die Bedeutung gesellschaftlicher Verantwortung mehrheitlich erkannt hat. Fünf von acht Unternehmen können auf eine positive Bewertung ihrer Unternehmenspolitik und der von ihnen gesetzten Maßnahmen zur Umsetzung ethischer Kriterien verweisen. Bis auf zwei Unternehmen haben alle einen Code of Conduct, die meisten haben auch (mehr oder weniger effiziente) Mechanismen zur Überprüfung von dessen Einhaltung entwickelt. Die Grenzen des guten Willens zeigen sich bei der Bezahlung: Keines der getesteten Unternehmen erwähnt das Recht auf „living wages“, also auf die Bezahlung von Löhnen, die die Lebenshaltungskosten decken. Die meisten versprechen aber immerhin die Gewährung von „minimum wages“, staatlich festgelegten oder ortsüblichen Mindestlöhnen.

Noch besser als die Anstrengungen im Sozialbereich werden die Umweltmaßnahmen bewertet. In allen Unternehmen (ausgenommen Packard Bell) wurden Programme zur Reduktion von Energieverbrauch, Materialeinsatz bzw. gefährlichen Substanzen umgesetzt. Entsprechende Auflagen werden an die Zulieferer erteilt, fast überall gibt es zumindest ein internes Überprüfungssystem.

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