KONSUMENT.AT - Coronavirus: FAQ - Was bedeutet das für Abos, Tickets und Veranstaltungen?

Coronavirus: FAQ

Was Sie wissen sollten

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KONSUMENT 6/2020 veröffentlicht: 25.02.2020, aktualisiert: 10.02.2021

Inhalt

Ich habe ein Ticket für eine Veranstaltung, die abgesagt wurde. Bekomme ich mein Geld zurück?
Wurde eine Veranstaltung abgesagt, bekamen die Konsumenten früher ihren Ticketpreis zurück. Die Regierung hat das zum Vorteil der Veranstalter geändert und eine neue gesetzliche Regelung geschaffen. Wenn eine Kunst-, Kultur- oder Sportveranstaltung aufgrund der Pandemie nicht stattfinden kann, muss der Veranstalter das bereits empfangene Geld nicht mehr zurückzahlen. Stattdessen kann er Ihnen als Konsument einen Gutschein ausstellen. Das gilt für Ticketpreise bis zu 70 Euro. Übersteigt der Betrag 70 Euro, bekommen Sie einen Gutschein und nur den Differenzbetrag ausbezahlt. Lösen Sie den Gutschein bis Ende 2022 nicht ein, haben Sie das Recht, sich den gesamten Betrag auszahlen zu lassen. Dabei tragen Sie als Konsument allerdings das Risiko einer Insolvenz des Veranstalters. Lesen Sie hier die Details zur Gutscheinlösung .

Ich habe Karten für ein Musical in Deutschland gekauft und hätte meine Reise dorthin extra auf diese Veranstaltung ausgerichtet. Der Veranstalter beruft sich auf die deutsche COVID-19-Gesetzgebung und möchte mir nur einen Gutschein erstatten. Kann ich auf einer Auszahlung des Gutscheins bestehen?
Ja. Es gibt eine Ausnahmebestimmung im deutschen "Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht“. Wenn Sie extra aus Österreich anreisen und extra Übernachtungskosten tragen müssten, können Sie die Veranstaltung nur unter Aufwendung von zusätzlichen Reisekosten besuchen. In diesem Fall sieht die deutsche Regelung vor, dass Sie aufgrund hoher unausweichlicher Kosten bei einem Nachholtermin Anspruch auf Auszahlung der Ticketkosten haben.
 
Wir hatten für den F1-Grand-Prix in Spielberg schon vor langer Zeit Karten über Global Tickets gekauft. Jetzt bot das Unternehmen an, den Ticketpreis zu erstatten, behielt aber 70 Euro „Bearbeitungsgebühr“ ein. Ist das zulässig?
Wir meinen: nein. Uns liegen mehrere ähnliche Fälle vor. Selbst eine bereits zuvor bezahlte „Vermittlungsgebühr“ ist bei coronabedingter Absage möglicherweise anfechtbar. Unsere Rechtsabteilung plant dazu Musterprozesse.
 
Ich hatte ein Ticket für das "Nova Rock"-Musikfestival. Darf der Veranstalter den Ticketpreis (190 Euro) auf die drei Festival-Tage aufteilen, um sich die Rückzahlung zu ersparen?
Nach derzeitigem Stand scheint das rechtlich in Ordnung zu sein. In einem Bericht des Justizausschusses heißt es dazu: Bei mehrtägigen Veranstaltungen wie Musikfestivals kann der Veranstalter für jeden einzelnen Veranstaltungstag einen gesonderten Gutschein von bis zu 70 Euro ausstellen. Im Gesetzestext selbst steht davon allerdings nichts. Mehr über verfassungsrechtliche Bedenken und die Details der Gutscheinlösung erfahren Sie auf der Webseite unserer VKI-Rechtsabteilung  
 
Vienna City Marathon abgesagt: Ich habe für die Teilnahme gezahlt und bin unzufrieden mit den Rückerstattungsoptionen. Was kann ich tun?
Der Veranstalter hielt sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen. Er bot nur 30% Rückerstattung oder eine Gratis-Teilnahme am Vienna City Marathon 2021 oder 2022 an. Das müssen Sie nicht akzeptieren. Wir vom VKI mahnten den Veranstalter erfolgreich auf Unterlassung. Einen VKI-Musterbrief, mit dem Sie auch die Chipmiete und einen Gutschein über die restlichen 70% Ihrer Zahlungen anfordern können, finden Sie hier:  Vienna City Marathon - Ihre Rechte nach der Absage
 
Ich hatte für meine Hochzeit ein Lokal für 70 Gäste reserviert. Ist es zulässig, dass mir eine Stornogebühr verrechnet wird, nachdem ich die Hochzeit wegen der Verschärfung der Corona-Maßnahmen verschieben musste? 
Nein. Wir sehen keine Rechtsgrundlage dafür. Anders läge der Fall, wenn die Absage einer solchen Reservierung unter normalen Umständen und kurzfristig erfolgen würde.
 
Ich habe ein Abo bei einem Fitnesscenter. Muss ich für die Zeit weiterhin zahlen, in der es geschlossen ist?
Nein. Für die Zeit, in der Freizeitdienstleister geschlossen sind, entfällt aus rechtlicher Sicht die Zahlungsverpflichtung. Sie müssen in diesem Zeitraum also NICHT für Ihre Mitgliedschaft zahlen, da die Leistung des Fitnesscenters nicht erbracht werden kann. Wollen Sie zukünftige Zahlungen stoppen? Informieren Sie Ihre Bank und widerrufen Sie den Dauerauftrag oder das Lastschriftverfahren. Wir empfehlen Ihnen: Informieren Sie das Unternehmen schriftlich darüber und bewahren Sie die entsprechenden Unterlagen als Nachweis auf. Wir wissen, dass Freizeitdienstleister verschiedene Formen der Kompensation anbieten (Verlängerung der Mitgliedschaft, Gutscheine, Online-Betreuung). Klären Sie genau ab, ob diese Angebote für Sie ein vollwertiger Ersatz sind und welche Bedingungen es gibt. Bedenken Sie: Gutscheine können bei einer Insolvenz des Unternehmens wertlos werden.
 
Ich habe ein Sky-Abo abgeschlossen, das jetzt durch die vielen Absagen der Bundesliga und der Champions League für mich wertlos geworden ist. Bekomme ich Geld zurück?
Es gibt Anspruch auf anteilige Refundierung. Ob allfällige Kompensationsangebote ausreichend sind, ist noch offen.
 
Ich habe eine Mitgliedschaft bei einer Online-Partnervermittlung. Kann ich diese aufgrund von Corona vorzeitig kündigen, da man seine sozialen Kontakte ja einschränken sollte?
In der Regel werden in den Verträgen mit Online-Partnervermittlern und Online-Datingportalen keine realen Treffen garantiert und zugesagt. Es geht um ein "Sichfinden" und "Kennenlernen" über die zur Verfügung gestellte Plattform. Da dies auch in Corona-­Zeiten möglich ist, wird die Firma ihren Teil des Vertrages nach wie vor erfüllen können. Die Pandemie wird kein Grund sein, um eine vorzeitige und außerordentliche Kün­digung argumentieren zu können. Aber ­Achtung! Einige dieser Anbieter verlängern die Verträge nach Ende der ursprünglichen Vertragslaufzeit automatisch. Schauen Sie in den Vertrag, um keine Kündigungsfrist zu versäumen. 
 
Ich bin Admira-Fan und habe ein Abo für alle Heimspiele. Ich möchte meinem Klub nicht schaden, aber habe ich An­spruch auf aliquote Rückerstattung?
Theoretisch wohl ja. Aber wenn Sie Ihren Lieblingsverein unterstützen wollen, akzep­tieren Sie am besten die Situation.
 
Ich hatte einen 7-Tage-Skipass. Als die Skilifte in diesem Skigebiet gesperrt wurden, hatte ich für 7 Tage bezahlt, aber nur 4 Tage fahren können. Wie ist da die rechtliche Lage?
Der Fall ist klar: Wenn sämtliche Lifte geschlossen waren, steht Ihnen nach österreichischem Recht eine aliquote Rückerstattung für die restlichen 3 Tage zu.
 
Ist es sinnvoll, Gutscheine für ein geschlossenes Lokal zu kaufen?
Der Kauf von Gutscheinen ist eine Geste der Solidarität und verbessert insbesondere für kleine Betriebe deren Liquidität. Klar ist aber: Gutscheine sind mit einem Risiko verbunden. Im Fall einer Insolvenz wird aus der kurzfristigen Unterstützung eine Spende.

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Kommentare

  • vereinbarte Kündigungsfrist und Kündigungstermin
    von REDAKTION am 18.05.2020 um 13:06
    an retmarut
    Schade, dass das Fitnessstudio hier keine Kulanz zeigt. Dass Sie zur Risikogruppe gehören, ist aber kein Grund für eine außerordentliche Kündigung, da der Verhinderungsgrund in Ihrer Sphäre liegt. Sie können nur ordentlich unter Einhaltung von vertraglich vereinbarter Kündigungsfrist und Kündigungstermin kündigen. Die von Ihnen ausgesprochene Kündigung muss zum nächsten ordentlichen Kündigungstermin wirksam werden.

    Für den Zeitraum, in dem das Studio seine Leistung nicht erbringen kann/konnte, besteht jedoch keine Zahlungspflicht.
    Ihr KONSUMENT-Team
  • Kündigung Fitness Studio
    von retmarut am 15.05.2020 um 15:10
    Da ich zur Risikogruppe gehöre,habe ich meinen Vertrag mit einer 1-monatigen Frist gekündigt. Nun teilt mir das Studio mit, dass die Kündigung nicht angenommen wird, da ich bereits die Zahlungen ab April (wg. Schließung) eingestellt habe.
  • Links zum Kommentar
    von GottschallCh am 25.03.2020 um 19:42
    Beim ersten Mal hat das Webformular die Quellenlinks verschluckt, deshalb hier nachgeliefert:

    [1] - https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2020_II_98/BGBLA_2020_II_98.html
    [2] - https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/php/risk-assessment.html
  • Rechtslage und offene Fragen
    von GottschallCh am 25.03.2020 um 19:41
    Mit "[d]erzeit gibt es nur drei Gründe, das Haus zu verlassen" mögen Sie in der Sache recht haben, aber rechtlich wäre das eine Falschinformation.

    Die gegenständliche Verordnung in der geltenden Fassung [1] erlaubt JEDES Verlassen des Hauses, "wenn öffentliche Orte im Freien alleine, mit Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, oder mit Haustieren betreten werden sollen, gegenüber anderen Personen ist dabei ein Abstand von mindestens einem Meter einzuhalten." (loc. cit.) Also nicht nur Spaziergänge, sondern auch Wandertouren, Radtraining, Picknicks und sogar Frieren auf der Parkbank.

    Ein Meter erscheint mir laienhaft zu gering. Die CDC empfehlen "6 feet or 2 meters".[2]

    Wenige Absätze später schreiben Sie, "eigenmächtiges Fernbleiben von der Arbeit stellt eine Verletzung der Dienstpflichten dar". Heißt das, dass auch im Widerspruch zur Verordnung man das Haus sogar dann verlassen muss, wenn gar keine "nicht aufschiebbare Berufsarbeit" vorliegt, sondern wenn die Arbeitgeberin es einfach so möchte?