KONSUMENT.AT - E-Autos: Hohe Umweltbelastung - Blutige Rohstoffe

E-Autos: Hohe Umweltbelastung

Trotzdem sinnvolle Alternative?

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KONSUMENT 6/2021 veröffentlicht: 27.05.2021

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Die Umweltbelastung von E-Autos ist weitaus größer, als es die Jubelstimmung von Wirtschaft und Politik suggeriert. Warum wir trotzdem nicht auf die elektrische Alternative verzichten sollten.

"Wir stehen am Beginn der Goldenen Zwanziger für das Elektroauto, und Renault will dabei eine führende Rolle spielen." Mit diesem Bekenntnis steht Uwe Hochgeschurtz, Renault-Deutschland-Chef, keineswegs alleine da. Die Autobranche, die noch vor wenigen Jahren hauptsächlich mit PS, Drehmoment oder Beschleunigungswerten um sich warf und Umweltthemen weitgehend verständnislos gegenüberstand, fühlt sich neuerdings zur Rettung des Klimas berufen.

Mit dem Umstieg aufs E-Auto könnte der drohende Klimawandel abgewendet werden, wird suggeriert. Denn ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug kann völlig abgasfrei gefahren werden, es emittiert im Betrieb keine Luftschadstoffe – was will man mehr? Mit einem Schlag ist man die lästige Diskussion um die Energiewende los.

Das schmutzige Vorleben

Doch da freut sich die Autolobby wohl zu früh. Ihr Optimismus findet in der Fachwelt und bei Umweltorganisationen nur wenig Zuspruch. Ein vernichtende Bilanz zogen etwa die Autoren einer französischen Dokumentation, die im November 2020 bei Arte ausgestrahlt wurde (deutscher Titel: „Umweltsünder E-Auto?“). Für die Produktion von Elektroautos würden wesentlich mehr Rohstoffe als bisher benötigt, die in China oder Lateinamerika unter teilweise extrem umwelt- und gesundheitsschädlichen Verhältnissen abgebaut werden.

Am Beispiel Kupfer: Zur Herstellung eines E-Autos werde viermal mehr Kupfer benötigt als für ein herkömmliches Fahrzeug. Und der Kupferabbau in Chile sei dafür verantwortlich, dass dort Böden und Gewässer großflächig vergiftet sind. Für den Abbau werden 2.000 Liter Wasser pro Sekunde benötigt, und das in einem der trockensten Gebiete der Welt (der Atacama-Wüste).

In manchen Stadtteilen der Provinzhauptstadt Antofagasta ist (Lungen-)Krebs die Haupt-Todesursache. Besonders kritisiert wird, dass der französische Energieversorger Engie nicht nur bestehende Kohlekraftwerke für den Kupferabbau betreibe, sondern sogar neue errichte, wobei die Kohle teils aus Neuseeland herangeschippert werden müsse. Was in der Tat paradox ist: Noch mehr Kohlekraftwerke im Dienste der angeblich abgasfreien Elektromobilität?

Klar ist auch, dass der Bedarf an Lithium – heute schon unverzichtbar für die Herstellung von Akkus – massiv ansteigen wird, sind doch etwa in einem Mobiltelefon lediglich zwei bis drei Gramm des Alkalimetalls verbaut, für ein Auto werden aber mehrere Kilogramm benötigt. Auch Lithium wird zu einem großen Teil in der Atacama-Wüste gewonnen, was Böden und Grundwasser verseucht.

Für Graphit wiederum ist China der wichtigste Lieferant. Rund um die Tausenden Lagerstätten liegt ein Staubteppich, der die Existenzgrundlage der Bauern gefährdet.

Kobalt wird hauptsächlich im Bürgerkriegsland Kongo abgebaut. Nicht selten wird Kobalterz von Kindern mit bloßen Händen aus ungesicherten Erdlöchern herausgekratzt.

Bei seltenen Erden (etwa Neodym) hat das totalitäre China nahezu ein Monopol (95 Prozent Marktanteil), weil andernorts der Abbau wegen der enormen Umweltbelastung (so werden radioaktive Substanzen freigesetzt) aufgegeben wurde.

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Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
7 Stimmen

Kommentare

  • E-Autos
    von gerd49 am 27.07.2021 um 23:57
    Ich bin nicht prinzipiell Gegner der E-Autos, aber ich würde es befürworten, wenn man die Hybridautos als genauso wichtig einstufen würde! Warum - man denke an die derzeitigen argen Unwetter in Deutschland und Belgien und auch in Österreich, siehe Hallein. Kein Trinkwasser, keine Lebensmittel und vor allem, KEIN STROM! Und? Was würde sich jetzt dort abspielen, wenn dort jetzt alle nur mehr E-Autos hätten, auch die Einsatzfahrzeuge? Und solche Szenarien sollen sich laut Fachleuten ja wiederholen!
    Aber von solchen Vorfällen hört und liest man absolut nichts in den öffentlichen Medien und auch die zuständigen Fachleute schweigen sich über dieses Thema aus!
    Ich finde es fahrlässig, in Anbetracht dieser Katastrophen immer noch auf eine Komplettumstellung auf E-Autos zu bestehen!
  • Im Osten geht gerade die Sonne auf ...
    von good vibrations am 02.07.2021 um 10:34
    e-mobilität mit Akkutauschsystem von seiner weitaus konsumentenfreundlicheren, innovativeren Seite hier dargestellt: https://www.youtube.com/watch?v=gYkYvaeNwMc
    und zweite schnellere Generation hier: https://www.youtube.com/watch?v=uthAK5JT1I8

    vielleicht sollte man es auch im Abendland endlich angehen und diese bzw. erweiterte Lösungen einfordern! warum alte und weniger konsumentenfreundliche Systeme sauteuer fördern?
    Akkutausch mit standardisierten Akku-Modulen für jedes Fahrzeug: ein Modul für den Smart, zwei für den Golf und drei für den SUV (wers braucht ;-) und den Transporter wäre schon eine gute Lösung!
    Die Diskussion ist eröffnet ...
  • E-Autos
    von eleonore3 am 10.06.2021 um 15:45
    das muss man sehr kritisch sehen, denn der Rohstoffabbau ist weit weg und wird nicht erwähnt in den Medien es wird nur geworben für die Autoerzeugung weil sonst gibt es in Europa keine Industrie mehr und in der EU sitzen viele Lobbyisten, ich denke man sollte überall wo es möglich ist Bäume pflanzen und nicht Güter durch die Welt transportieren, die man selbst produzieren kann