KONSUMENT.AT - Nachhaltige Produkte: Interview - Aktionsplan der EU

Nachhaltige Produkte: Interview

R.U.S.Z-Gründer Sepp Eisenriegler

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KONSUMENT 8/2018 veröffentlicht: 26.07.2018

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Wer ist konkret in die Verantwortung zu nehmen?
Es ist nicht unbedingt die Schuld der Hersteller, auch nicht des Elektrohandels. Es ist ein Fehler im System. Man kann auf einem begrenzten Planeten nicht unbegrenzt wachsen, das versteht jedes Volksschulkind. Trotzdem hören wir es immer wieder: Wir brauchen Wachstum! Ohne Systemänderung geht es nicht. Das hat sich inzwischen auch in Brüssel herumgesprochen. Die Systemänderung, die derzeit auf der EU-Agenda steht, heißt Kreislaufwirtschaft. Es geht darum, zu definieren, wie wir mit den endlichen Rohstoffen zumindest etwas länger aus­kommen können. Es geht darum, zu entscheiden, ob gewisse Rohstoffe noch drei, vier Generationen reichen oder schon die nächste Generation in diesen Knappheitsproblemen gefangen ist. 

Und wir sprechen hier von mehr als bloßen Brüsseler Sonntagsreden?
Ja, durchaus. Ich arbeite in einem Normungsausschuss mit, der im Auftrag der EU-Kommission Standards für langlebige Produkte ent­wickeln soll. Wir gehen der Frage nach, mit wie viel Rohstoffen weniger man auskommen kann, um mindestens den gleichen Nutzen für die Konsumenten zu stiften. Und ich merke, dass auch die Hersteller inzwischen nicht mehr in Zweifel ziehen, dass die Kreislaufwirtschaft Einzug halten muss. Ein Vertreter eines großen Herstellers hat mir gegenüber gesagt, dass sie schon lange wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber alleine hätten sie nicht vorpreschen und langlebigere, reparaturfreundlichere Produkte auf den Markt bringen können. Sonst wären sie weg vom Fenster gewesen. 

Es braucht also zwingend die politischen Vorgaben, der Markt alleine regelt es nicht?
Der Markt regelt sehr wenig alleine. Die "unsichtbare Hand des Marktes" habe ich eigentlich noch nie regulatorisch eingreifen gesehen.

Wie sieht der Kreislaufwirtschaft-Zeitplan der EU aus?
Der ist im sogenannten Circular Economy Action Plan festgeschrieben. Wenn ich diesem Plan vertrauen darf, dann kann man davon ausgehen, dass wir bis Ende 2019 die Standards haben, die wir brauchen, um bei der Novellierung der EU-Ökodesign-­Richtlinie Produktstandards festzulegen, die Importeure erfüllen müssen, wenn sie Produkte in die EU importieren wollen. Dieselben Standards gelten dann natürlich auch für die europäische Industrie. Es wird recht lange Übergangsfristen geben, damit die Hersteller die Möglichkeit haben, ihre Produktion umzustellen. Damit sie wieder das machen, was sie früher – zumindest teilweise – schon mal gemacht haben, nämlich langlebige Produkte herstellen. Ich rechne damit, dass das Ganze 2025 Gesetzeskraft erlangen wird.

2025 darf dann kein Produkt mehr verkauft werden ...
... das diesen Standards nicht entspricht.

Und das Wegwerfprodukt ...
wird’s nicht mehr geben. Macht ja auch keinen Sinn. Auch wenn die Ordnungs­politik gar nichts tut, die Rohstoffpreise werden irgendwann anziehen. Und dann kostet dich eine Wegwerf-Waschmaschine genauso viel wie eine, die 20 Jahre hält. Wer wird die dann noch kaufen? Das Problem regelt sich also ohnehin irgendwann von selbst. Aber wir haben jetzt noch die Möglichkeit, steuernd einzugreifen und Chaos zu vermeiden.

Bis dahin: Welche Reparatur- und Wartungs-­Tipps und -Tricks haben Sie für die Verbraucher?
Ein Tipp ist, zu erfragen, wie lange der Hersteller garantiert, für das konkrete Produkt Ersatzteile zu liefern. Das ist ein sehr genaues Instrument, um auf die Lebensdauer schließen zu können. Was man tun sollte, um eine Waschmaschine, einen Geschirrspüler, eine Kaffeemaschine oder was auch immer möglichst lange zu nutzen, ist, eine Beziehung zu diesem Produkt herzustellen, es nicht als Wegwerfprodukt zu sehen. Man hat die Möglichkeit, mit einer guten Wartung die Nutzungsdauer zu verlängern. Zum Beispiel: im Flusensieb der Waschmaschine nachschauen, ob sich Fremdkörper verfangen haben oder es so verstopft ist, dass das Wasser nicht mehr abgepumpt werden kann. Oder: Bei Staubsaugern gehören die Filter von Zeit zu Zeit ge­reinigt oder getauscht, je nach Modell. 25 Prozent unserer Reparaturaufträge im R.U.S.Z wären mit einer entsprechenden Wartung nicht notwendig geworden.

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