KONSUMENT.AT - Nachhaltige Produkte: Interview - Verschrottungsprämien vs. Reparaturförderung

Nachhaltige Produkte: Interview

R.U.S.Z-Gründer Sepp Eisenriegler

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KONSUMENT 8/2018 veröffentlicht: 26.07.2018

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Mehr als gesunden Menschenverstand braucht’s also eigentlich gar nicht?
Eigentlich ja! Wir haben den gesunden Menschenverstand mit den letzten Wegwerfgeräten offensichtlich gleich mitentsorgt. Aber ein paar Tricks gibt es schon noch darüber hinaus. Im Sinne der Langlebigkeit von Waschmaschinen sollte man einmal im Monat oder Quartal, je nach Wasserhärte, einen leeren Kochwaschgang mit 1/16 Liter Essig durchführen – um den Kalk und das überschüssige Waschmittel loszuwerden, die sich in der Maschine absetzen. Weniger Waschmittel zu verwenden ist auch ein Tipp, der zudem unmittelbar hilft, Geld zu sparen.

Sie sind ein Weltverbesserer, sagen Sie selber. Und Sie verwenden immer wieder Begrifflichkeiten, die eingefleischte Kapitalisten auf die Palme bringen, zum Beispiel eingangs den Terminus „Globaler Süden“. Mit Absicht? 
Wir haben immer wieder versucht, konsensuale Lösungen zu finden, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Leider hat sich das nicht bewährt. 

Wer ist der typische R.U.S.Z-Kunde?
Als wir begonnen haben, vor 20 Jahren, waren es vor allem die Pensionistinnen und Pensionisten. Ich sag dazu: die Nachkriegsgeschädigten, die nichts wegwerfen können. Inzwischen ist das Publikum jünger geworden. Das hat auch damit zu tun, in welche Richtung wir unsere Kundenzielgruppe beeinflussen wollen – ich halte zum Beispiel viele Vorträge auf Universitäten

Wie wird eurer Dienstleistungsangebot "Saubere Wäsche" angenommen? Das Nutzen-statt-kaufen-Prinzip ist bei den Jüngeren ja durchaus im Kommen.
Kurz zur Erklärung: Seit zwei Jahren bieten wir die Produktdienstleistung "Saubere Wäsche" an. Gegen einen monatlichen Pauschalbetrag und eine Kaution können Kunden eine Waschmaschine mieten statt kaufen. Die Verantwortung für den einwandfreien Betrieb der Maschine bleibt bei uns. Die Geräte werden einmal jährlich beim Kunden vor Ort gewartet. Leider läuft "Saubere Wäsche" noch etwas verhalten. Wir haben derzeit 50 Verträge. Da ist die österreichische Seele wohl mit Schuld. Es gibt Leute die sagen mir frei ins Gesicht: „In mein Haus kommt nix, was nicht mir gehört.“ Aber spätestens, wenn die Rohstoffpreise eine ehrliche Sprache sprechen, werden wohl auch diese Verbraucher ihr Mindset ändern müssen. Weil die Maschinen dann für viele nicht mehr leistbar sein werden. Die Dienstleistungs-Schiene ist deshalb auch die Richtung, in die die Hersteller gehen werden. Weil sie es müssen.

Die "Kulturtechnik Reparieren", wie Sie es nennen, ist also kein Auslaufmodell?
Im Gegenteil. In den vergangenen Jahren hat sich zum Beispiel die Anzahl von Reparatur- Cafés vervielfacht. Zurzeit machen uns Reparaturdienstleistern allerdings diverse Verschrottungsprämien das Leben schwer. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Reparaturdienstleistungen bzw. Re-use-Geräte und eine österreich­weite Reparaturförderung wie in Schweden oder Graz würden der Branche über die kommenden Jahre bis 2025 helfen.

Die Zeichen für das R.U.S.Z stehen aber auf Expansion.
Ja, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es gibt in den alten EU-Ländern keine Millionenstadt mit einer höheren Reparaturquote als Wien. In Graz haben wir seit Ende 2017 eine Filiale. Die soll als Vorbild für unser Franchising-System dienen. Den ersten Franchise-Nehmer werden wir in Linz haben. Dann ist für heuer auch noch ein Standort im Westen geplant. Vorzugsweise Vorarlberg, weil von dort aus kann man auch in die Schweiz hineinstrahlen. 2019 kommen München, Berlin und Hamburg dran.

So umtriebig, wie Sie sind, möchte man es gar nicht glauben, aber Sie sind ja bereits in Pension. Wie schaut die Führungs-Zukunft des R.U.S.Z aus? Klappt der Generationenwechsel?
Es ist teils schon geregelt, ja. Ein Sohn von mir führt jetzt die Filiale in Graz und stößt sich dort die Hörner ab. Der andere Sohn arbeitet hier in Wien im Kundenverkehr. Es gibt einige Aspiranten, denen ich das alles gerne übergeben möchte. Es hat sich nur herausgestellt, dass das nicht von einem Tag auf den anderen geht. Es gibt natürlich auch Diskussionen darüber, ob es tatsächlich so ablaufen muss, wie ich mir das vorstelle. Ich habe mir das Ziel gesetzt, dass in fünf Jahren die Übergabe vollendet ist.

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