KONSUMENT.AT - ESL-Milch - Geschmacklich gut

ESL-Milch

Haltbar statt frisch

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Konsument 10/2010 veröffentlicht: 15.09.2010

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29 Proben im Test

Je nach Herstellungsverfahren wird daher einerseits ESL-Milch angeboten, die während der Produktion geringerer Hitzebelas­tung ausgesetzt ist, und andererseits ESL-Milch, die während der Herstellung einer hohen Hitzebelastung (vor allem bei in­direkter Erhitzung) ausgesetzt ist. Doch in welchem Verfahren auch immer erzeugt: ESL-Milch ist in keinem Fall völlig keimfrei und muss daher gekühlt aufbewahrt werden. Im Kühlschrank hält sie bei geschlossener Packung achtzehn bis dreißig Tage.

Für unseren Test haben wir ESL-Vollmilch in Supermärkten, bei Diskontern und in Bio-Geschäften eingekauft. Da der Österreichische Lebensmittelcodex noch keine speziellen Bestimmungen betreffend ESL-Milch enthält, gibt es folglich auch keine Kennzeichnungsregelung. Derzeit wird ESL-Milch meistens als „länger frisch“ ausgelobt. Ob Milch pasteurisiert, hocherhitzt oder ultrahocherhitzt wurde, muss aber in jedem Fall auf der Packung stehen. Die ESL-Milch im Test wurde überwiegend hocherhitzt. Wurde die Milch filtriert, weisen die meisten Hersteller auf der Packung darauf hin oder geben die Filtrations­methode an („A faire Milch“ ausgenommen).

Aussehen, Geruch und Geschmack

Von dem Tag an gerechnet, an dem wir die Milch-Proben für unseren Test erstanden hatten, waren sie laut Packungsangaben zwischen 7 (Bio+ ) und 26 Tagen (Ländle Milch) haltbar. In der Untersuchungsanstalt wurden die Proben entsprechend den ­Packungsangaben gelagert und am letzten Tag der Mindesthaltbarkeit von Experten organoleptisch – in Aussehen, Geruch und Geschmack – beurteilt und im Labor mikrobiologisch untersucht. In der Expertenverkostung wurden alle Milch-Proben der Güteklasse 1 zugeordnet. Zwei Proben (A faire Milch und Echt bio) erzielten sogar die volle Punkteanzahl – besser geht’s nicht. Auch die Ergebnisse der Laboruntersuchungen gaben keinen Anlass zur Kritik. Einzig bei der Probe von Clever wurde eine etwas erhöhte Keimbelastung festgestellt.

Die meisten schmeckten sehr gut

Bei unserer Laienverkostung wurde die ESL-Milch durch die Bank sehr gut bis gut beurteilt. Proben gefilterter ESL-Milch wurden dabei insgesamt etwas besser eingestuft als Proben hocherhitzter Produkte. Eine probeweise mitgetestete Haltbarmilch wurde von den Verkostern eindeutig schlechter bewertet als die ESL-Milch-Proben.

Natürlich wollten wir nicht zuletzt auch wissen, ob die Milch im Herstellungs­prozess starker oder geringer Hitzebelas­tung ausgesetzt war. ß-Lactoglobulin, das Hauptmolkeprotein der Milch, ist nicht ­hitzestabil und daher ein guter Indikator für Hitzebelastung: Je stärker Milch bei der Herstellung erhitzt wurde, desto geringer ist ihr Gehalt an nativem (nicht hitze-de­naturiertem) ß-Lactoglobulin. Bei ungefähr der Hälfte der Proben wurde im Labor ein hoher Gehalt an nativem ß-Lactoglobulin festgestellt. Diese Produkte entsprachen – was die Hitzebelastung bei der Herstellung anbelangt – de facto pasteurisierter Milch und wurden entweder durch Filtra­tion oder ein sehr schonendes direktes Erhitzungsverfahren erzeugt.

Länger haltbar statt länger frisch

Bei der anderen Hälfte der untersuchten Proben wurde jeweils ein wesentlich niedrigerer Gehalt an ß-Lactoglobulin festgestellt. Vor allem bei Kärntnermilch, Ziller­taler Bergmilch, der Milch von Bio+, Milbona, Besser bio, Nöm Waldviertler Bio Vollmilch, BioBio, Clever und Almsana ergaben die Analysen einen sehr niedrigen ß-Lactoglobulin-Gehalt. Diese Produkte wurden aller Wahrscheinlichkeit nach in einem indirekten Verfahren hocherhitzt und entsprechen, was die Hitzebelastung beim Herstellungsprozess anbelangt, de facto einer Haltbarmilch.

Wer sich von ESL-Milch erwartet, dass es sich dabei um schonend erhitzte Milch handelt, die man „länger frisch“ genießen kann, wird angesichts der Untersuchungsergebnisse von diesen Produkten wohl enttäuscht sein. Nach Ansicht etlicher Experten sollte ESL-Milch übrigens grundsätzlich als „länger haltbar“ statt als „länger frisch“ gekennzeichnet sein.

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Kommentare

  • Ein Hoch dem Handel!
    von escargot am 21.02.2011 um 23:09
    So stellt sich der Handel seine rosige Zukunft vor: Weg mit der blöden Frischmilch!!! Die muss schließlich ein paar Mal pro Woche angeliefert werden, wie lästig. Und dann noch die Milchpackerln, die nicht verkauft wurden und die er dann auch noch entsorgen darf! Nichts als Umständlichkeiten! ... dabei könnte es für den Handel ja so toll sein: 2 x pro Monat Milchprodukte-Lieferung und alles mit ur-langem Ablaufdatum, ja das wäre fein! Und der Konsument? Der wird sich schon daran gewöhnen ... in Deutschland gibt es schließlich auch KAUM mehr Frischmilch zu kaufen, dort klappt s also auch. Außerdem reden wir dem Konsument ein, das ESL-Milch eh dasselbe ist und ja sooo lange hält. Fazit: Wenn wir weiterhin wollen, dass es die normale, gute "einfach nur pasteurisierte Frischmilch mit sonst gar nix" gibt, sollten wir sie auch kaufen, denn sonst geht s uns wie den deutschen Nachbarn. Der Handel hat wiedermal entdeckt, wie er uns das Leben leichter machen kann! Gleichzeitig wird er von den lästigen Milchlieferanten auch nur noch 1 x pro Woche beliefert - hält ja jetzt eh alles viel länger ...
  • "Länger frisch"
    von Barney_HdB am 01.10.2010 um 19:09
    Im Spar-Markt Siccardsburggasse findet man nur mit Glück noch hie und da eine "normale" Milch. Offenbar wird absichtlich der Absatz der ESL-Milch gesteigert und damit der wahre Bedarf verfälscht und verschleiert, da nicht viele ganz einfach auf den Kauf von Milch verzichten können.
  • ESL Milch von Berg Bauer fehlt leider
    von ma_star am 29.09.2010 um 11:28
    Leider habe ich "meine" Milch in dem umfangreichen Test nicht vorgefunden. Berg Bauer Trinkmilch (hergestellt in Wörgl, laut Packung hocherhitzt, gibt es mit 3,6 und 1,5% Fett). Ich brauche Milch nur für meinen Kaffee (und manchmal zum Backen oder Kochen). Es war mir ungeheuer lästig, dass die Frischmilch regelmäßig vor Ablauf der Haltbarkeitsdatums nicht mehr (für meinen Kaffee) erhitzt werden konnte, ohne auszuflocken oder sich zu zersetzen. Mit meiner ESL Milch passiert das nie und sie schmeckt wirklich sehr gut - wie Frischmilch.
  • ESL-Milch
    von FranzF am 23.09.2010 um 20:20
    Diese Milch schmeckt anders. Hat viele vorteile für den Handel und wird auch in den Kühlregalen so gestellt das man zuerst nach dieser greift. Milch ist ein Naturprodukt und soll so wenig behandelt werden wie möglich.