KONSUMENT.AT - Nahrungsergänzungsmittel im Direktvertrieb - Ein Mittel gegen alles

Nahrungsergänzungsmittel im Direktvertrieb

Überdosiert

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KONSUMENT 2/2013 veröffentlicht: 24.01.2013

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Ein Mittel gegen alles

In Fahrt kamen alle NEM-Verkäufer dort, wo es um die unschlagbaren Vorzüge des eigenen Produktes ging. Olympiasieger und Weltmeister vertrauen auf FitLine, Spitzensportler und ein bekannter Schwimmstar setzen auf Juice Plus, wurde unseren Testern aufgeregt berichtet. Und ausnahmslos alle Berater versicherten uns, dass sie selbst jene Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, die wir schließlich bei ihnen kauften. Letzteres glauben wir ihnen aufs Wort! Jeder, der in diesem Geschäftsfeld arbeitet, muss selbst regelmäßig bei seinem Direktvertriebsunternehmen einkaufen, damit Geld fließt.

Kunden als neue Berater keilen

Erstaunlich fanden wir auch, dass allen unseren Testern die immer gleichen Segnungen versprochen wurden: mehr Fitness, mehr Wohlbefinden, erhöhte Leistungsfähigkeit, keine Nebenwirkungen – und zwar ganz egal, von welchem NEM-Unternehmen sie gerade beraten und welche Produkte ihnen empfohlen wurden. Bemerkenswert auch: So gut wie alle Verkäufer versuchten, die vermeintlichen Kunden gleich auch als neue Berater zu keilen. Mit welchen Methoden hier gearbeitet wird, lesen Sie auf der Seite 7 „Vom Kunden zum Keiler“.

Vitamin- bzw. Mineralstoffgehalt verglichen

Wir haben uns nicht anwerben, dafür aber viel verkaufen lassen. Bei allen erstandenen Produkten ermittelten wir den Vitamin- bzw. Mineralstoffgehalt. Anschließend wurden die Werte mit den Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit verglichen. Ergebnis: Bei FitLine gab es Überschrei­tungen bei 8 verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen, bei Amway, Juice Plus und Herbalife jeweils eine.

Überdosiert

Zusätzlich verglichen wir die Dosierungsvorschläge der Berater mit den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr. (D-A-CH steht für Deutschland, Österreich, Schweiz und ist ein Zusammenschluss der Ernährungsgesellschaften dieser Länder.) Auch hier wurden die von den Experten empfoh­lenen Aufnahmemengen in einigen Fällen überschritten. Bei FitLine waren 7 Vitamine bzw. Mineralstoffe überdosiert, bei Amway 4 bzw. 3 und bei Juice Plus 3. Auch wenn alle diese Nährstoffe wasserlöslich und damit nicht ganz so problematisch sind, weil sie über die Nieren ausgeschieden werden: Ein Zuviel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist auf Dauer keineswegs ungefährlich, wie aktuelle Studien beweisen.

Präparate lösen "Energieschub" aus

Bei FitLine wurde unseren Testpersonen ­übrigens schon während des Gesprächs das empfohlene Activize Oxyplus verabreicht. Die vermeintlichen Kunden sollten selbst erfahren, dass das Mittel wirkt. Hitze, ein roter Kopf und rote Flecken im Gesicht und auf den Armen waren die äußerst unangenehmen Folgen. Erklärt wurde das von den Beratern mit einem „Energieschub“, den das Präparat auslöse. Wir nehmen an, dass diese Beschwerden vor allem auf die im Produkt ­enthaltene hohe Dosis von Niacin, einem ­Vitamin, aber auch auf das zugesetzte Guarana und Koffein zurückzuführen sind.

Gehirnwäsche

Bei sämtlichen Gesprächen, die für unsere Untersuchung geführt wurden, beeindruckte die Tester vor allem eines: Alle Berater ­waren rhetorisch hervorragend geschult. Sie wuss­ten haargenau, was sie sagen durften und was nicht. Sie waren in der Lage, ihr Gegenüber auf einer sehr persönlichen ­Ebene an­zusprechen, ohne aufdringlich zu wirken. Die Produktpräsentation erfolgte so geschickt, dass selbst unsere Experten streckenweise wider besseres Wissen ­glaubten, was man ihnen erzählte. Als ­„kleine Gehirnwäsche“ bezeichnete eine unserer Testpersonen eine absolvierte Beratung, als sie wieder klar denken konnte. Kein Wunder, dass unglaubliche 80 Prozent aller Kunden im Direktvertrieb spätestens beim zweiten Kontakt kaufen!

Hier haben wir für Sie zusammengefasst, was unseren Testper­sonen vorgeschlagen wurde. Wir haben außerdem berechnet, zu welchen Überdosierungen es bei Einnahme der Mittel ­aufgrund der Empfehlungen kommen kann.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Vemma
    von REDAKTION am 22.10.2013 um 10:52
    Wir haben uns jene Unternehmen angesehen, zu denen wir die meisten Zuschriften bzw. Anfragen von Konsumenten erhalten haben. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, müssen unsere Tests ein einheitliches Szenario aufweisen. Da unsere Testpersonenen von Vemma auch nach mehrmaligem Nachfragen keine Antwort bekamen, mussten wir diesen Direktvertrieb ausscheiden. Wir nehmen Ihre Anregung aber gerne für einen weiteren Test auf. Ihr Konsument-Redaktionsteam
  • Hallo Liebes Konsument Team!
    von cortesa am 21.10.2013 um 10:04
    Wann testet ihr evtl. doch noch Vemma? Früher vor sicher 10 Jahren war Herbalife ein Thema. Zumindest in meinen Kreisen. Jetzt aufeinmal ist es Vemma? Die anderen Namen habe ich nicht mal gekannt. Also es wäre schön wenn ihr Vemma auch noch im Detail analysiert -). danke,
  • Bitte keine fremden Artikel in die Kommentare kopieren
    von REDAKTION am 25.06.2013 um 13:33

    An User kollero:

    Sie haben einen Artikel von netdoktor.de in das Kommentarfeld kopiert. Unser Anwalt sagt, dass das Hineinkopieren vollständiger anderer Artikel in unsere Website gegen das Urheberrrecht verstößt. Eigene Meinung ja, eigene Erfahrung ja, kurze Zitate aus anderen Artikeln ja, Link zu anderer Website ja, fremde Artikel in dieser Länge nein. Wenn Sie Artikel anderer Medien in unsere Seiten kopieren, können wir als Medieninhaber Probleme bekommen; daher haben wir Ihren Eintrag gekürzt - siehe unten.

    Unaufmerksame Leser und Suchmaschinen  würden so einen fremden Text außerdem als KONSUMENT-Text interpretieren. Diesen Eindruck wollen wir vermeiden. Wir bitten um Verständnis.

    Zum Inhaltlichen:

    Sie erweckten durch den einkopierten Artikel den Eindruck, als bräuchten ältere Menschen Nahrungsergänzungsmittel um Mangelernährung zu vermeiden. Wir von KONSUMENT sagen dazu: Mangel- und Fehlernährung bei alten Menschen ist tatsächlich ein gravierendes Problem. Die Gründe dafür sind vielfältig — fehlender Appetit, Geschmacksstörungen, schlecht sitzende Zahnprothesen, die das Kauen mühsam machen, Einsamkeit … Mit einer unkontrollierten Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln allein lässt sich eine unausgewogene Ernährungsweise aber ganz sicher nicht lösen.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Vitamin und Mineralstoffmangel
    von kollero am 23.06.2013 um 14:36

    Viele Senioren leiden unter Mangelernährung, berichtet netdoktor.de (15.12.2011). Zitat: "Dies beeinflusst die Behandlung der Haupterkrankung meist negativ und treibt auch die Kosten nach oben. Die Diagnose einer Mangelernährung verteuert einen Krankenhausfall im Durchschnitt um 3.000 Euro." Ende des Zitats. Was sagt man dazu?

    An dieser Stelle hat User kollero einen vollständigen Artikel der Onlineplattform netdoktor.de in das Kommentarfeld kopiert. Wir haben den Text am 25.6.2013 aus rechtlichen Gründen gekürzt; Details siehe oben.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Nahrungsergänzungen
    von Sandiger am 14.04.2013 um 12:23
    Sg Konsumentteam, bis vor einiger zeit hätte ich ihren artikel unterschrieben. seit ca. 2 jahren befasse ich mich aufgrund meiner allergie gegen pollen und katzenhaare auch mit alternativen methoden. zugegeben gibt es viel sinnloses am markt und für den otto normalverbraucher ist es schier unmöglich die spreu vom weizen zu trennen. verstehen sie mich bitte nicht falsch, ich vertreibe keinerlei nahrungsergänzungen sondern habe einfach das eine oder andere ausprobiert und meine eigenen erfahrungen gemacht. die verbesserungen waren unglaublich! reduktion meines ruhepilses von 95 auf 70. innerhalb von 2 wochen keine katzenallergie, 1-2 mal täglicher stuhlgang, keine verspannungen mehr und auch keine rückenschmerzen! gerne gebe ich ihnen bei interesse meine erfahrungen mit dem einen oder anderen nahrungsergänzungsmittel weiter - von den bei ihnen gestesteten war jedenfalls keines dabei. Liebe Grüße Sandig Christian