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Olivenöl im Test: Extra bitter

Teure Öle schmecken nicht besser

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Konsument 9/2007 veröffentlicht: 21.08.2007

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Oliven: Kein Herkunftsnachweis nötig

Wir schickten die für den Test ausgewählten Olivenöle also nach Deutschland. In einem ersten Prüfdurchgang wurden die Etiketten unter die Lupe genommen. Für alle, die wissen möchten, woher Olivenöl jeweils stammt: Auf dem Etikett muss (neben Güteklasse, Menge und Mindesthaltbarkeitsfrist) der Produktverantwortliche angegeben werden. Das kann der Produzent, der Händler oder der Abfüller sein. Wird nur der Händler oder der Abfüllbetrieb genannt, geht aus dem Etikett die Herkunft des Öls nicht hervor – außer es werden freiwillig zusätzliche Ursprungsangaben gemacht. Im Klartext: Woher das Öl stammt, kann, muss aber nicht auf dem Etikett stehen.

Fremdsprachige Etiketten

Bei manchen Produkten (Lupi, Bertolli, Sasso, Montolivo) sind die Etiketten fast ausschließlich italienisch beschriftet. Sollten Sie jetzt daraus schließen, dass sich in den Gebinden ausschließlich italienisches Öl befindet: Fehlanzeige! Die Experten kamen bei der Verkostung zu einem anderen Ergebnis. Demnach steckten in den Flaschen dieser Marken samt und sonders Ölmischungen aus mehreren Mittelmeerländern. Komplett überflüssig: der Hinweis „ohne Zusatzstoffe“ auf dem Etikett von Monini. Öle dieser Güteklasse enthalten grundsätzlich keine Zusatzstoffe.

Bitter und scharf statt neutral

Extra native Olivenöle schmecken fruchtig, bitter und scharf (so soll es auch sein) und bieten Experten im Idealfall einen sehr gut ausgewogenen Gesamteindruck. Innerhalb dieses Rahmens gibt es je nach Olivensorte, Erntezeit, Herstellungsmethode und eben auch abhängig davon, ob das Olivenöl sortenrein oder gemischt ist, ob die Öle eines Landes oder mehrerer Länder vermengt wurden, erhebliche Unterschiede. Mischungen werden im Fachjargon übrigens Blends genannt.

Altis: bestes Olivenöl im Test

Doch egal ob aus den Ölen mehrerer Länder oder aus Italien, Spanien, Griechenland: Einen sehr gut ausgewogenen Gesamteindruck bot den Experten keines der getesteten Öle. Und auch als gut ausgewogen beurteilten die Profi-Verkoster lediglich ein Produkt, das Olivenöl von Altis aus Griechenland. Sechs Öle gingen in Geschmack und Geruch gerade noch als ausgewogen durch (Naturata, Mani, Iliada, Monini, Spar Natur pur und Bertolli). Sieben weitere, darunter bekannte Marken wie Sasso oder Carapelli, ließen auf den feinen Gaumen nur noch einen unausgewogenen Eindruck zurück und gleich vier Öle (Spar, Lupi, Cori und ja! Natürlich) hatten überhaupt sensorische Fehler. Sie schmeckten und rochen beispielsweise stichig oder muffig, modrig, heu-, holz- oder gurkenartig und hätten daher – Stichwort Etikettenschwindel – gar nicht als nativ extra verkauft werden dürfen.

Mit Wärme nachgebessert?

Leichte Fehler in Geruch und Geschmack lassen sich bei Olivenöl mittels Wärmebehandlung „verbessern“. Aus nativem Olivenöl auf diese Art natives Olivenöl extra zu machen, ist selbstverständlich verboten. Bislang waren solche Manipulationen – so lange man nicht direkt im Betrieb kontrolliert – nur schwer nachweisbar. Neue Untersuchungsmethoden sind in dieser Hinsicht erfolgversprechender. Wir haben die Öle daher im Labor auf thermische Behandlung prüfen lassen. Das schockierende Ergebnis: Mit hoher Wahrscheinlichkeit war jedes zweite Olivenöl im Test wärmebehandelt bzw. – auch dafür gibt es Hinweise – nicht mehr frisch, was auch an Lagerproblemen liegen kann. Wir haben diese Öle in der zweiten Tabelle zusammengefasst. Sie alle erhielten daher kein Testurteil.

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