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Olivenöl im Test: Extra bitter

Teure Öle schmecken nicht besser

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Konsument 9/2007 veröffentlicht: 21.08.2007

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Schadstoffe gesucht und gefunden

Neben der Wärmebehandlung interessierte uns auch: Gibt es Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Weichmacher (Phthalate) im Olivenöl? PAK gehören zu den Umweltschadstoffen und sind daher allgegenwärtig. Waldbrände, aber auch der Verkehr sind für die Anreicherung dieser Schadstoffe verantwortlich. PAK werden über Nahrung und Trinkwasser, über die Haut und die Atmung aufgenommen. Einige sind beim Menschen eindeutig krebserregend.

Kein einziges Olivenöl im Test war PAK-frei. Grenzwerte wurden zwar nicht überschritten, doch etliche Olivenöle enthielten einen Cocktail aus bis zu acht(!) verschiedenen PAK. Negative Spitzenreiter: das Bio-Öl von Spar Natur pur, die Öle von Cori und Iliada.

Kritische Weichmacher

Nicht viel besser ist die Situation bei den Phthalaten. Sie werden als Weichmacher für Kunststoffe verwendet und sind ebenfalls in der Umwelt allgegenwärtig. Phthalate kommen unter anderem in der Luft, in Wasser und Staub vor. Durch fetthaltige Nahrungsmittel werden Weichmacher zudem aus Kunststoffen gelöst. Nun kommt Olivenöl während des Produktionsprozesses mehrmals mit Kunststoffschläuchen oder -behältern in Kontakt. Möglicherweise liegt darin die Ursache, dass acht Olivenöle mit jeweils ein bis drei Phthalaten belastet waren.
In sieben Ölen wurde Di-Ethylhexylphthalat (DEHP) nachgewiesen, ein im Tierversuch krebserregender Weichmacher, der noch dazu die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt. Das meiste DEHP enthielt das Bio-Öl von Spar Natur pur.

Ebenfalls negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit hat Butylbenzylphthalat (BBP) – es war in fünf Ölen enthalten. Zwei weitere Weichmacher – der eine im Tierversuch giftig für die Leber, der andere im Tierversuch krebsauslösend – wurden noch in zwei Ölen festgestellt.

Regelmäßige Tests – besseres Öl

Was nun? An sich ist Olivenöl aufgrund seiner Zusammensetzung ein sehr zu empfehlendes Speiseöl. Durch seinen hohen Gehalt an Ölsäure vermag es den Cholesterinspiegel günstig zu beeinflussen. Zudem enthält es sekundäre Pflanzenstoffe, die vor Krankheiten schützen können (z.B. zellschützende Flavonoide).

Aber selbstverständlich sollte es frei von Schadstoffen sein! Anders als bei uns wird Olivenöl in Deutschland regelmäßig getestet – unter anderem von unserer Schwesternorganisation Stiftung Warentest. Auch in Deutschland werden immer wieder Schadstoffe in Olivenöl gefunden. Doch nicht in dem Ausmaß, wie diesmal von uns. Böse Zungen könnten da schon einmal behaupten, dass qualitativ nicht entsprechende Öle offenbar bevorzugt dort verkauft werden, wo es eben keine regelmäßigen Tests gibt.

Für wenig Geld kein hochwertiges Öl

Die billigsten Olivenöle in unserem Test kosten 4,65 Euro pro Liter. Und da stellt sich schon auch eine grundsätzliche Frage: Ein Olivenbaum trägt zirka 20 Kilo Oliven. Für einen Liter Öl braucht es rund 5 Kilo Oliven. Geerntet wird oft manuell. Pflücken, Baumpflege, Verarbeitung, Abfüllung, Transport – all das kostet. Trotz Subventionen: Wie ist es möglich, hochwertiges Öl zu solchen Preisen zu verkaufen?

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