KONSUMENT.AT - Sportmedizinische Untersuchung - "Nicht einmal Abhören ist Standard"

Sportmedizinische Untersuchung

Riskante Lücken

Seite 8 von 11

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 11/2004 veröffentlicht: 13.10.2004

Inhalt

"Nicht einmal Abhören ist Standard"

Interview mit Univ.Doz. Dr. Renate Petschnig, Sportärztin, Univ.Doz. Dr. Renate Petschnig, Fachärztin für Sportheilkunde Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation und Fachärztin für physikalische Sportheilkunde in Wien

Wenn man sich das Ergebnis dieses Tests anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass es einfach sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was eine sportmedizinische Untersuchung alles beinhalten soll. Da muss sich halt der Konsument vorher erkundigen?

Nein, so kann es nicht sein. Es gibt sehr wohl einen Konsens darüber, was eine solche Untersuchung zu beinhalten hat. Es gibt die Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, die eindeutige Richtlinien bezüglich der sportmedizinischen Untersuchung festgelegt hat. Es gibt auch eine Ausbildung zum Sportarzt, die 180 Stunden umfasst und in der gelehrt wird, wie eine sportmedizinische Untersuchung abzulaufen hat.

Warum ist es so wichtig, dass wirklich alle Details untersucht werden?

Wenn Sie einen „gesunden“ 40-Jährigen, der untrainiert ist und keinen medizinischen Check-up hat, zu intensiv belasten, kann ihn das im schlimmsten Fall das Leben kosten – es gehen immer wieder tragische Fälle durch die Medien. Deshalb ist beispielsweise die Anamnese so wichtig, aus der der Untersuchende erfährt, welche Risikofaktoren bestehen: wie zum Beispiel Übergewicht, hoher Blutdruck oder Herzerkrankungen in der Familie. Bei der Familiengeschichte unserer Testperson hätte es eigentlich schon dreimal klingeln müssen. Einfache Untersuchungsgänge wie Abhören und Blutdruckmessen sollten wirklich bei jeder Diagnose als Basis selbstverständlich sein. Aber nicht einmal das ist in vielen Fällen passiert.

Haben nun alle Teiluntersuchungen eine gleich hohe Bedeutung?

Natürlich könnte man sagen: Wenn der Bewegungsapparat nicht erfasst wird, stirbt die Testperson nicht. Das könnte „nur“ zu Schmerzen und Abnützungserscheinungen führen. Aber Erkrankungen am Herz-Kreislauf-System müssen abgeklärt werden, da sie, wenn sie übersehen werden, tödliche Folgen haben können. Auf der anderen Seite ist ein Laktattest vom gesundheitlichen Standpunkt nicht erforderlich. Der soll maßgeschneiderte Trainingsempfehlungen für Sportler liefern, darüber informieren, wie die sportlichen Aktivitäten im Zeitablauf gesteigert beziehungsweise zurückgenommen werden müssen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Zum Beispiel, am nächsten Marathonlauf teilzunehmen?

Zum Beispiel. Nur: Wenn Sie als völlig Untrainierter zu mir kommen und meinen, Sie können in drei Monaten einen Marathon laufen, werde ich Ihnen sagen, in diesem Zeitraum können Sie vielleicht Ihr Wohlbefinden steigern oder in Kombination mit einer Diät Ihr Gewicht abbauen, wenn Sie dreimal pro Woche trainieren. Aber eine Marathonvorbereitung dauert für einen Untrainierten ein Jahr und länger.

Zurück zur sportmedizinischen Untersuchung – wer sollte eine solche in Anspruch nehmen?

Also sinnvoll ist sie für jeden, der mit Sport beginnt. Zwingend ist sie aber für Personen, die älter als 35 Jahre sind und mit einer sportlichen Betätigung (nach längerer Pause) wieder beginnen wollen. Unbedingt notwendig ist sie auch, wenn bestimmte Risikofaktoren (Krankheitsfälle in der Familie) zutreffen.

 

Univ.-Doz. Dr. Renate Petschnig ,
Sportärztin, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation und Fachärztin für physikalische Sportheilkunde in Wien

Bewertung

Wertung: 2 von 5 Sternen
16 Stimmen
Weiterlesen