Scheinbar umweltfreundliche Produkte: Wie können Konsumenten Greenwashing erkennen?

Greenwashing

Alles Fassade

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019, aktualisiert: 12.03.2020

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Unternehmen verpassen sich immer öfter einen "grünen Anstrich". Alles Fassade oder ernst zu nehmende Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Nunu Kaller (Greenpeace), Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind), Raphael Fink (Österr. Umweltzeichen) (Foto: Südwind_AlexanderChitsazan, Foto: Greenpeace_Mitja Kobal)

KONSUMENT im Gespräch mit Nunu Kaller (Greenpeace), Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind) und Raphael Fink (Österr. Umweltzeichen).

Schummeln für den guten Ruf

Mit wachsendem Bewusstsein der Konsumenten steigt der Druck auf Unternehmen, nachhaltige Produkte anzubieten. Immer mehr Unternehmen und PR-Profis springen auf diesen Zug auf. Sie bieten "grüne" ­Lösungen an, die auf den ersten Blick umweltfreundlich, ethisch korrekt und fair ­erscheinen. Bei näherer Betrachtung halten sie nicht immer, was sie versprechen. In der Branche spricht man auch von "Green claims", "environmental advertising" oder ganz einfach von Ökoschmähs. Ein Problem, dem sich auch das International Consumer Protection Network (ICPEN) mit seiner jährlichen Aktion gegen Betrug an Konsumenten (Fraud Prevention Month) widmet. - Wie Kunden Green-Washing erkennen können, erklären drei Experten anhand von Beispielen.

Was ist Greenwashing?

Wenn einer der größten Hersteller von Getränken in Plastikflaschen versucht, sich medienwirksam mit einer Sammelaktion von Plastikmüll zu brüsten. Das ist das ein klassischer Fall von Greenwashing. Mit dem wachsenden Anspruch der Verbraucher (und auch Investoren) in Sachen Nachhaltigkeit und ethischer Konsum werden die Ideen der PR-Profis immer frecher. Die Palette reicht von Beschönigungen bis zu glatten Lügen.

Die 7 Sünden des Greenwashing, definiert vom Netzwerk Underwriters Laboratories Environment:

1. Versteckte Kompromisse: Produkte werden mit einem umweltfreundlichen Aspekt beworben; andere, weniger ethisch korrekte, werden unter den Tisch gekehrt. So wirbt Nespresso mit dem Recycling von Kaffeekapseln, das nur einen kleinen Teil der Müllentsorgung ausmacht – und stellt die Kapseln weiterhin aus umweltschädlichem Aluminium her.

2. Fehlende Nachweise: Etiketten wie "ökologisch" oder "nachhaltig" sagen ohne Zertifizierung nichts über die tatsächlichen Produktionsbedingungen aus.

3. Unschärfe: Unklare und oft missverständliche Aussagen wie "nachhaltigere Baumwolle" klingen zwar gut, sind aber nicht automatisch gleichbedeutend mit ökologisch produzierter Ware.

4. Irrelevanz: Darüber, dass z.B. eine Avocado, die ja ganz klar pflanzlicher Natur ist, das Etikett "vegan" trägt, kann man sich schon wundern. Viel interessanter wäre, zu erfahren, wie Produkte konkret hergestellt werden.

5. Das geringere Übel: Der Konsument wird von den schwerwiegenden Auswirkungen eines Produktes abgelenkt, indem sie überspielt werden. Ein Klassiker ist das "benzinsparende Auto", da Autofahren mit Benzin in jedem Fall umwelt- und klimaschädlich ist.

6. Lügen: Dazu gehören alle falschen Aussagen, die Verbraucher gezielt in die Irre führen.

7. Falsches Label: Sich im Gütesiegeldschungel zurechtzufinden, ist für Konsumenten eine Herausforderung geworden. Es gibt seriöse Zertifizierungen und solche, die schlichtweg erfunden sind.

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Kommentare

  • Bitte mehr Objektivität
    von RiSi am 11.10.2020 um 22:27
    Gleich zu Beginn des Newsletter, der mich mittels Link auf diese Seite gebracht hat, werden unter anderem "Erdöl-Konzerne, die mit Windkraft werben" als Beispiel für Greenwashing genannt. Natürlich kommt es auf den jeweiligen Fall an, aber ich frage mich, was daran generell negativ sein soll. Da wird seit langem (zu Recht) gefordert, dass sich solche Unternehmen verändern und in Richtung erneuerbare Energien wandeln sollen. Wenn sie es dann tun, wirft man es ihnen vor!? Dass eine Firma mit neuen Geschäftsfeldern auch wirbt, kann aus meiner Sicht nicht zum Vorwurf gemacht werden. Was wird denn erwartet? Dass über solche (Fort-)Schritte kein Wort verloren wird? Entscheidend ist, dass es nicht ein "Einzelfall" ist, sondern tatsächlich und konsequent die Weichen in Richtung CO2-freie Zukunft gelegt werden. Und da gibt es erfreulicherweise viele Unternehmen in der Erdöl- und Energiebranche, die diesen Weg eingeschlagen haben.

    Zweites Beispiel im erwähnten Newslettter sind "Fluglinien, die CO2-neutrale Flüge versprechen". Das wird mit sogenanntem "Offsetting" realisiert,also den Ausgleich der entstandenen Emissionen durch Investionen in Projekte, durch die eine entsprechende Kohlendioxideinsparung finanziert wird. Wenn das richtig gemacht wird (und namhafte Fluglinien arbeiten meiner Einschätzung nach mit seriösen Partnern zusammen), ist das allemal besser, als so eine Option nicht zu wählen. Noch besser wäre natürlich gar nicht zu fliegen, aber in vielen Fällen ist das Flugzeug wohl die einzige realistische Option um an ein Ziel zu gelangen (nicht jeder kann mit dem Segelschiff den Antlantik überqueren). Offsetting mit den richtigen (also sorgsam ausgewählten und umgesetzten) Projekten vermeidet übrigens nicht nur zusätzliche Treibhausgase, sondern bringen auch positive Effekte bei der Bekämpfung von Armut und anderen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung (durch Studien belegt).

    Ich würde mir eine differenziertere Betrachtung durch den VKI wünschen (z.B. durch Verweis auf das Thema in Heft 4/2020) und nicht solche Angebote pauschal als Greenwashing zu verurteilen.

    Beste Grüße
    (ein jahrzehntelanger und großteils zufriedener Abonnent)
  • wo ist der Expertentalk auf den ich mich gefreut habe?
    von sylphe9 am 11.10.2020 um 18:09
    Ich frage mich, warum im Newsletter Mail ("Umweltzeichen als Barriere gegen Greenwashing") und auch in der Einleitung hier vollmundig von einem Gespräch mit Experten geschrieben wird und es sich dann letztendlich doch nur um eine Ansammlung von Punkten nach einer nicht näher erklärten Organisation handelt.
    Ebenso fehlt die Heranführung des Laien an das Thema. Woher soll der Konsument nach diesem Artikel nun wissen was kein Greenwashing ist? Das Bsp mit den Plastikflaschen war ja sehr gut, aber es fehlt ein ebensolches für Firmen die ihre ökologischen Auswirkungen ernstnehmen. Z.B. Wenn eine kärtnerische Eistee produzierende österreichische Firma wie Makava auf Glasflaschen setzt und in Österreich produziert spricht man zurecht von ökolgisch (Glasflaschen und regional produziert).
    Ebenso ist die Auflistung der Punkte doch ein wenig zu wenig um jeden Konsumenten in dem Bereich wirklich auf einen guten Wissensstand zu bringen.

    Lieber VKI das könnt ihr Besser und das habt ihr schon so oft bewiesen, denn sonst seids ihr total spitze!
    Ich bitte also auch bei dem Thema Nachhaltigkeit um eure gewohnte Qualität.

    Hochachtungsvoll,
    eine langjährige Abonnentin