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Handystrahlung und Elektrosmog

Wacher, müder, vergesslicher

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KONSUMENT 11/2016 veröffentlicht: 21.09.2016, aktualisiert: 25.11.2016

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Handys machen uns schneller – aber auch vergesslicher

So kann man die Ergebnisse der Untersuchung am Menschen pointiert zusammenfassen, die mithilfe von 41 Versuchspersonen im Alter von 19 bis 39 Jahren gewonnen wurden; vorwiegend Nicht- oder Wenigtelefonierer.
Sie wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils rund zwei Stunden einem simulierten UMTS-Mobilfunksignal ausgesetzt (exponiert), das mithilfe einer recht aufwendigen Apparatur exakt dosiert werden konnte. (Die UMTS-Technologie – 3G – ist nach wie vor die in Österreich am häufigsten verwendete, 78 Prozent aller SIM-Karten arbeiteten 2015 damit.) Gesetzlich ist die zulässige Strahlung mit einem SAR-Wert von 2 Watt/Kilogramm (2 W/kg) begrenzt. SAR: Das ist die Spezifische Absorbtions-Rate, ein Maß für die thermische Energieaufnahme von Gewebe durch Strahlung (Details unten). Im Test blieb man deutlich unter diesem Grenzwert.

Bemerkenswerte Veränderungen

Und dennoch: Es zeigten sich mit zunehmender Versuchsdauer (innerhalb einer Sitzung, aber auch über den gesamten Testzeitraum) bemerkenswerte Veränderungen.

  • Schneller: Bei einfachen Reaktionstests während der Exposition wurden die Probanden (Versuchspersonen) zunehmend schneller, machten aber auch immer mehr Fehler.
  • Langsamer: Bei einem anspruchsvolleren Test (Gedächtnis und Daueraufmerksamkeit) wurden sie hingegen langsamer, gleichzeitig stieg aber auch hier die Fehlerhäufigkeit.
  • Fehler: Die Probanden mit der höheren Exposition reagierten bei etlichen Tests schneller als die Vergleichsgruppe, machten aber (noch) mehr Fehler.
  • Müder: Die Messung der Befindlichkeit zeigte, dass die Probanden mit höherer Exposition am Beginn der Untersuchungsreihe schneller schläfrig wurden; bei den weniger Exponierten blieb die Zunahme der Ermüdung hingegen weitgehend gleich.

Unterm Strich ergeben sich deutliche Hinweise darauf, dass die Intensität der Strahlung durchaus Einfluss auf die kognitive ("geistige“) Leistung haben kann. Ein Umstand, den man beim Smartphone-Kauf berücksichtigen sollte. Vergleichende Angaben zu SAR- und Connect-Werten für die meisten gängigen Modelle finden sich auf handywerte.de.

Univ.Prof. Dr. Wilhelm Mosgöller (Med-Uni Wien), der Projektkoordinator: "Die Ergebnisse sind relevant für jede Art von Beschäftigung und Situationen, bei denen Reaktionszeit und Reaktionsqualität eine Rolle spielen“.

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Kommentare

  • Vermag die Mobilfunk-Lobby sinnerfassend zu lesen?
    von NETclub50plus am 21.09.2016 um 19:57
    Betrachtet man deren Presseaussendung (FMK, Forum Mobilkommunikation) zu diesem Thema, muss man das stark bezweifeln. Dort heißt es wörtlich: "Die gute Nachricht: Keine Wirkungen gefunden – selbst bei 16 stündiger Exposition." Zeigt doch schon der KONSUMENT-Artikel, dass eine ganze Reihe von Wirkungen auf allen Ebenen (kognitiv, zellulär) nachgewiesen wurde. Die 16 Stunden beziehen sich übrigens auf Zellversuche im Labor – an den Versuchspersonen wurde Veränderungen in den Zellen der Mundschleimhaut schon nach zweistündiger Exposition über fünf Tage nachgewiesen - und zwar noch Wochen später. Das unterschlägt die PR-Aussendung der FMK total. - Was die Zellreaktionen betrifft, wurde eine Vielzahl von Zelllinien untersucht, von denen nicht ALLE eine Reaktion auf die UMTS-Strahlung zeigen (was längst bekannt ist). Aus dieser Tatsache abzuleiten, es seien "keine Wirkungen" gefunden worden ist (freundlich gesagt) eine Verdrehung der Tatsachen, da beispielsweise Hirntumor-Zellen im Experiment besonders empfindlich reagierten. - Die Lobby zitiert aus der Studie: "Keine der gefundenen Wirkungen lässt den Schluss auf direkte gesundheitsschädliche Wirkungen zu." Der nächste, entscheidenden Satz fällt bei der FMK aber unter den Tisch: "Allerdings begründen sie ein potentielles Risiko für exponierte Personen." Denn neben den DIREKTEN Wirkungen mag es auch kumulative Effekte geben. EINE Zigarette hat noch niemanden umgebracht ("keine direkte Wirkung"), eine Schachtel pro Tag auf Dauer wohl schon. Und genau so mag es unter Umständen auch mit der Mobilfunkstrahlung sein. - Dass die PR-Maschinerie der Handy-Konzerne all das leugnet ist eine Beleidigung des Intellekts aller ihrer Kunden.