KONSUMENT.AT - Handystrahlung und Elektrosmog - Bestrahlte Zellen veränderten sich

Handystrahlung und Elektrosmog

Wacher, müder, vergesslicher

Seite 4 von 11

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 11/2016 veröffentlicht: 21.09.2016, aktualisiert: 25.11.2016

Inhalt

"Vaterschaftstest“ für Handytelefonierer

Neben den zahlreichen Psychotests unterzogen sich die Versuchspersonen einem weiteren, wie er auch in der Kriminologie oder beim Vaterschaftstest angewendet wird: Sie spendeten Zellen aus der Mundschleimhaut. Und zwar vor Testbeginn sowie zwei und drei Wochen danach und von beiden Seiten der Mundhöhle. Hätte die Strahlung Einfluss auf das Zellgeschehen, müsste dies auf der bestrahlten Seite stärker ausfallen als auf der nicht bestrahlten, da die Strahlungswirkung mit der Entfernung drastisch abnimmt. Welche die bestrahlte Seite war, wussten freilich weder die Versuchsteilnehmer noch die Untersuchungsleiter. Die Zuordnung erfolgte – wie bei allen anderen Teilprojekten auch – erst nach Feststellung aller Befunde (Doppelblindstudie).

Bestrahlte Zellen veränderten sich

Ergebnis: Ja, es kam zu Veränderungen bei Zellen, die der Mobilfunk-Strahlung ausgesetzt waren, und sie ließen sich noch Wochen nach Exposition nachweisen. „Mit wenigen Ausnahmen trat bei allen Anomalien, … die zytotoxische [zellschädigende, Anm.] Effekte anzeigen, ein signifikanter [über den Zufall hinausgehender, Anm.] Anstieg auf“, fasst Univ. Prof. Dr. Michael Kundi vom Institut für Krebsforschung der Klinik für Innere Medizin an der Med-Uni Wien die Ergebnisse zusammen.

Handy am Ohr

Besorgniserregend daran: Die Veränderungen wurden bei jenen Versuchspersonen in erhöhtem Maß festgestellt, bei denen durch Zufallsauswahl im Experiment just jene Seite des Kopfes der Mobilfunk-Strahlung ausgesetzt wurde, an die sie auch im Alltag ihr Handy halten. "Die stärkeren Effekte [in dieser Gruppe] sprechen dafür, dass … in einem gewissen Ausmaß kumulative Effekte stattfinden“, so Prof. Kundi. Bedeutet: Wer sein Handy längere Zeit und/oder immer wieder ans selbe Ohr hält, könnte damit das Risiko für Zellschäden in jenen Bereichen des Kopfes, auf welche die Strahlung einwirkt, erhöhen. Und das sind nicht nur die Schleimhäute im Mund …
 

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
84 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Vermag die Mobilfunk-Lobby sinnerfassend zu lesen?
    von NETclub50plus am 21.09.2016 um 19:57
    Betrachtet man deren Presseaussendung (FMK, Forum Mobilkommunikation) zu diesem Thema, muss man das stark bezweifeln. Dort heißt es wörtlich: "Die gute Nachricht: Keine Wirkungen gefunden – selbst bei 16 stündiger Exposition." Zeigt doch schon der KONSUMENT-Artikel, dass eine ganze Reihe von Wirkungen auf allen Ebenen (kognitiv, zellulär) nachgewiesen wurde. Die 16 Stunden beziehen sich übrigens auf Zellversuche im Labor – an den Versuchspersonen wurde Veränderungen in den Zellen der Mundschleimhaut schon nach zweistündiger Exposition über fünf Tage nachgewiesen - und zwar noch Wochen später. Das unterschlägt die PR-Aussendung der FMK total. - Was die Zellreaktionen betrifft, wurde eine Vielzahl von Zelllinien untersucht, von denen nicht ALLE eine Reaktion auf die UMTS-Strahlung zeigen (was längst bekannt ist). Aus dieser Tatsache abzuleiten, es seien "keine Wirkungen" gefunden worden ist (freundlich gesagt) eine Verdrehung der Tatsachen, da beispielsweise Hirntumor-Zellen im Experiment besonders empfindlich reagierten. - Die Lobby zitiert aus der Studie: "Keine der gefundenen Wirkungen lässt den Schluss auf direkte gesundheitsschädliche Wirkungen zu." Der nächste, entscheidenden Satz fällt bei der FMK aber unter den Tisch: "Allerdings begründen sie ein potentielles Risiko für exponierte Personen." Denn neben den DIREKTEN Wirkungen mag es auch kumulative Effekte geben. EINE Zigarette hat noch niemanden umgebracht ("keine direkte Wirkung"), eine Schachtel pro Tag auf Dauer wohl schon. Und genau so mag es unter Umständen auch mit der Mobilfunkstrahlung sein. - Dass die PR-Maschinerie der Handy-Konzerne all das leugnet ist eine Beleidigung des Intellekts aller ihrer Kunden.