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Orientteppiche - Kommerz in Wolle

Qualität am Boden

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Konsument 6/1999 veröffentlicht: 01.06.1999

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Kommerzware keine Wertanlage

Die Behauptung, „ein handgeknüpfter Orientteppich ist eine gute Wertanlage, der steigt im Wert“, stimmt längst nicht mehr. Von Wertanlage kann bei neu gekaufter Kommerzware keine Rede sein. Es sind – auch wenn es sich um Seidenteppiche mit Millionen Knoten handelt – mehr oder weniger teure Gebrauchsgegenstände, meint Helmut Reinisch, steirischer Ombuds- mann für den Handel mit Orientteppichen in Graz. Reinisch: „Als Wertanlage eignen sich nur alte und antike Teppiche.“ Auto ist nicht Auto und Teppich nicht Teppich. Es gibt, meint Sayahpour, Nomadenteppiche, Teppiche von Bauernfamilien aus kleinen Dörfern (Bauernteppich, Familienteppich), Manufakturteppiche und Meisterwerke. Die Manufakturteppiche beherrschen den Markt (Kommerzware).
Kette und Schuß, also die Längs- und Querfäden, in die die Knoten eingearbeitet werden, können aus Wolle, Baumwolle und Seide sein. Eine geringe Zahl von Kett- und Schußfäden läßt den Teppich eher weich erscheinen, ein dichtes Grundgewebe gibt dem Teppich einen eher festen Griff.
Ein Teppich kann folgendermaßen aufgebaut sein: Flor aus Wolle, Kette und Schuß aus Wolle; das ist die ursprüngliche Machart, denn die Bauern und Nomaden hatten früher nur Wolle zur Verfügung. Wolle auf Baumwolle ist inzwischen sehr häufig und kommt vor allem bei Manufakturteppichen zum Einsatz. Wolle auf Seide repräsentiert den gehobenen Manufakturteppich, und bei Seide auf Seide handelt es sich üblicherweise um teure Luxusteppiche. Letztere sollten nicht stark strapaziert werden (Schlafzimmer, Wand).

Wolle vom Hochlandschaf

Mit der Qualität der Wolle steht und fällt – stark vereinfacht – die Qualität des ganzen Teppichs. Begehrt ist zum einen die Wolle von Lämmern. Diese Korkwolle – so die Handelsbezeichnung – ist weicher, flauschiger als normale Schurwolle. Und für feine, kleine Knoten braucht es natürlich auch feine Wolle, anders läßt sich nie ein Teppich mit einer Million Knoten pro Quadratmeter herstellen. Neben der Korkwolle bildet die normale Schurwolle von mehrjährigen Schafen den Großteil der Produktion. Achtung: Es gibt Korkwolle, die sehr strapazfähig ist, und es gibt normale Wolle, die nicht sehr strapazfähig ist. Bloß weil sich ein Teppich sehr weich anfühlt, heißt das noch lange nicht, daß er aus Korkwolle ist. Ob weich oder hart, hängt stark von der chemischen Nachbearbeitung ab und die Strapazfähigkeit davon, wie dicht die Knoten aneinander geschlagen werden. Reinisch: „Teppiche aus Bidschar oder Heriz werden sehr dicht geschlagen – das sind Büffel.“
Fast noch wichtiger ist die Frage, woher die Wolle kommt. Hochlandwolle (zum Beispiel aus dem Kaukasus), noch dazu wenn sie fettreich ist, ist von deutlich besserer Qualität. Diese Schafe müssen ganz andere klimatische Bedingungen ertragen als Schafe aus warmen Niederungen. Teppiche aus Hochlandwolle greifen sich besser an und haben einen schöneren Glanz (kein Grauschleier).

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