KONSUMENT.AT - Hochseefischerei - 17 bis 24 Stunden Arbeit

Hochseefischerei

Sklaven für den Fischgenuss

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KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.09.2016

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Gewalt, finanzielle Einbußen

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) übte bereits 2013 massive Kritik an der ­thailändischen Fischindustrie. Es gebe "ernsthafte Vergehen" wie Zwangsarbeit und ­Gewalt, erklärte die Organisation. Eine Befragung von fast 600 Beschäftigten hatte er­geben, dass rund 17 Prozent der überwiegend illegal angestellten Fischer aus Burma und Kambodscha unter Androhung von Gewalt, finanziellen Einbußen und Denunziation arbeiteten.

17 bis 24 Stunden Arbeit

Die breite Mehrheit der Arbeiter ­habe einen "irregulären Status" und könne daher leichter ausgebeutet werden, sagte Max Tunon von der ILO in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Rund zehn Prozent der Beschäftigten würden während der Arbeit geschlagen, mehr als ein Viertel von ihnen habe angegeben, zwischen 17 und 24 Stunden arbeiten oder in Rufbereitschaft sein zu müssen. Unter den Befragten waren auch ­sieben Kinder unter 15 Jahren und 26 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren.

Nur langsam Verbesserungen

Und wie sieht die Situation heute aus? "Noch funktioniert nicht alles zu hundert Prozent", sagte der Chef der Fischereiabteilung im thailändischen Landwirtschaftsministerium, Adisorn Promthep, kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP etwas euphemis­tisch. Er forderte mehr Zeit für die Umsetzung der von der EU geforderten Reform. Die EU-Kommission hatte im April 2015 mit Sanktionen gedroht, sollte es in der thailändi­schen Fischindustrie keine Reformen geben.

Überprüfung der Lieferkette

Der WWF arbeitet mit Organisationen wie der Environmental Justice Foundation zusammen, um die Arbeitsbedingungen in Thailand zu verbessern. Freilich sei die ­Überprüfung auf hoher See ein schwieriges Unterfangen, so der WWF. Es geht aber auch um nachgelagerte Stufen in der Lieferkette. "Wir kooperieren auch hier mit Unternehmen, um Standards zu schaffen, die Missstände ausschließen sollen", erklärt Axel Hein, ­Corporate Relations Manager Seafood beim WWF. Großbritannien sei hier Vorreiter: "2015 wurde der ,Modern Slavery Act‘ verabschiedet, der Unternehmen ab einer gewissen Größe dazu verpflichtet, Sklaverei oder ähnliche Zustände entlang der Lieferkette auszuschließen", so Hein.

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