KONSUMENT.AT - Landraub - Landsicherheit durch Fairtrade

Landraub

Jagd nach Land

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KONSUMENT 3/2017 veröffentlicht: 23.02.2017

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Schauplatz Kambodscha

Ein Schauplatz dieser Energiepolitik ist auch Kambodscha: Im Zuge des EU-Programms "Everything but arms" (EBA, "Alles außer Waffen") wird hier in großem Stil Zuckerrohr angebaut – eine Pflanze, die in dem südost­asiatischen Land bis dahin kaum vorkam. Ein thailändisches Unternehmen hat mehrere Hunderttausend Personen von ihrem Land vertrieben.

Film über korrupte Regime

Der Film "Landraub" zeigt, wie Holzhütten einfach niedergewalzt werden. "Das sind eng mit den großen Konzernen verwobene Oligarchien, die diesen Boom auf große Plantagen für sich nutzen und ­damit selbst ein Riesengeschäft machen", sagt Regisseur Langbein, der in Kambodscha für seinen Film recherchierte. "Korrupte ­Regime, die im Privatinteresse Deals mit den großen Agrarinvestoren machen."

Laut FIAN leben 70 bis 80 Prozent der ­kambodschanischen Bevölkerung von der Landwirtschaft. Studien belegen: Klein­bauern produzieren zehnmal mehr Energie, als sie verbrauchen; bei der Agrarindustrie ist das genau umgekehrt. "Die Betroffenen haben nun mit der Hilfe von buddhistischen Mönchen begonnen, sich zu wehren", so ­Reisenberger.

Land Grabbing bei Palmöl

Ein weiteres Beispiel für Land Grabbing sind die riesigen Palmölplantagen in Indonesien. Auch hier werden Einheimische von ihrem Land vertrieben. Einer der Hauptakteure ist Wilmar International, Asiens größter Agrarkonzern und weltgrößter Verarbeiter und Vertreiber von Palmöl.

Laut der NGO Rettet den Regenwald soll allein Wilmar für min­destens 100 Landkonflikte verantwortlich sein. Dazu kommt: Keine Branche ist stärker an der Regenwaldrodung beteiligt als die Palmölindustrie. Und auch hier spielt die ­Energiepolitik der EU eine maßgebliche Rolle: Agrartreibstoffe sollen die Abhängigkeit von Erdöl verringern und einen Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte in der EU schaffen. Heute ist die EU drittgrößter Importeur von Palmöl. - Mehr zum Thema Palmöl und Umwelt lesen Sie unter: Palmöl - Teil 1: Überall enthalten 2/2017 .

Landsicherheit durch fairen Handel

"Da Landnutzungsrechte oft unklar sind, werden Kleinbauernfamilien häufig vertrieben oder umgesiedelt und verlieren so ihre Lebensgrundlage", bestätigt auch Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. "Fairtrade-Kleinbauernfamilien, die in Kooperativen organisiert sind, verfügen jedoch über Landtitel." Der faire Handel gibt Kleinbauern die Möglichkeit, selbstbestimmt über ihr Land zu entscheiden. Die Koopera­tiven sind oft international vernetzt und ­haben daher einfacheren Zugang zu NGOs, die bei Landfragen juristische Beratung anbieten.

"Durch breit gefächerte Maßnahmen bietet der faire Handel eine Chance zum Schutz vor Land Grabbing", ergänzt Kirner. "Der Fairtrade-Mindestpreis erlaubt Planungssicherheit und wirkt als Sicherheitsnetz, wenn die Weltmarktpreise fallen. Die Fairtrade-Prämie stärkt die ganze Gemeinschaft, sie wird in soziale, ökologische und ökonomische Projekte investiert."

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