KONSUMENT.AT - Bekleidungsindustrie im Ethik-Test - Freiwilliger Verhaltenscodex

Bekleidungsindustrie im Ethik-Test

Keine weißen Westen

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Konsument 9/2007 veröffentlicht: 21.08.2007

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Code of Conduct reicht nicht aus

Gleichzeitig versuchten die großen Handelsketten, durch die Verpflichtung zu einem freiwilligen Verhaltenskodex (Code of Conduct) aus dem Schussfeld der Kritik zu kommen. Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung oder Behinderung gewerkschaftlicher Aktivitäten waren fortan verpönt. In unserer Untersuchung trifft dies für die meisten Unternehmen zu. Nur Benetton, Promod und Stefanel haben bis heute keinen Code of Conduct, der diesen Namen verdient.

Bald war klar, dass die Einhaltung der Verhaltensregeln auch kontrolliert werden muss. Einige Unternehmen begnügten sich mit dem Beitritt zur BSCI (Business Social Compliance Initiative) – ein wenig verbindlicher Ansatz. Andere wiederum erkannten, dass sie sich mit ihren Kritikern an einen Tisch setzen mussten, und traten Initiativen bei, in der auch NGOs und Gewerkschaften präsent waren. So arbeitet beispielsweise H&M mit der Fair Labor Association zusammen, Mexx mit der Fair Wear Foundation und Zara mit der Ethical Trading Initiative.

Transparenz bis zum Arbeiter

Ein wichtiges Kriterium für die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens ist die Offenlegung der Beschaffungskette („supply chain“). Wer alle Produktionsstätten nennt, die für ihn arbeiten, signalisiert damit, dass er nichts zu verbergen hat. Doch dieses Kriterium erfüllt im Test nur Mango.

Wer verdient wie viel an Jeans?
   Verdienst am Verkauf einer Jeans

Die Löhne liegen häufig unter dem Existenzminimum. Die niedrigsten Stundenlöhne werden laut einer ILO-Studie in Pakistan gezahlt: 17 Cent. Das Versprechen, die staatlichen Mindestlohnbestimmungen einzuhalten, greift zu kurz. So hat sich der Mindestlohn in Bangladesh in den letzten zehn Jahren unter Berücksichtigung der Geldentwertung halbiert. Wichtig wäre daher die Verpflichtung, „living wages“ zu zahlen – Löhne, die die Lebenshaltungskosten decken. Aber nur ein einziges Unternehmen hat sich dazu – zumindest theoretisch – verpflichtet: Zara.

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