KONSUMENT.AT - Bekleidungsindustrie im Ethik-Test - So haben wir getestet

Bekleidungsindustrie im Ethik-Test

Keine weißen Westen

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Konsument 9/2007 veröffentlicht: 21.08.2007

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Bekleidungsindustrie: Testkriterien

Der Ethik-Test wurde im Rahmen einer Kooperation europäischer Verbraucherorganisationen durchgeführt. Untersuchungsgegenstand waren 35 Markenfirmen im Bekleidungs-Einzelhandel. Ausgewählt haben wir jene 10 Unternehmen, die auch in Österreich vertreten sind.

Wie die Erhebung durchgeführt wurde

Die Erhebung basiert auf Informationen vonseiten der Unternehmen und auch auf Recherchen, die von der beauftragen Untersuchungsagentur durchgeführt wurden. Fragebögen wurden an die Unternehmen ausgeschickt, relevante Informationen auf deren Websites ausgewertet, Stellungnahmen der Unternehmen zu den Erhebungsergebnissen wurden mitberücksichtigt. Die Untersuchungsagentur konnte auf eine umfangreiche Datenbank zurückgreifen, darüber hinaus wurden Veröffentlichungen von Nichtregierungs-Organisationen (Clean Clothes Kampagne, Maquila Solidarity Network) berücksichtigt. Weitere Quellen bildeten Pressemeldungen und Internet-Agenturen für Unternehmens-, Industrie- und Marktdaten.

Bewertung relativ, nicht absolut

Die Bewertung erfolgt in einem 5-Stufen-Schema:

  • A bedeutet, dass das Unternehmen in diesem Bereich den überwiegenden Teil der Kriterien erfüllt.
  • B : Das Unternehmen erfüllt die Mehrzahl der Kriterien.
  • C : Das Unternehmen erfüllt rund die Hälfte der Kriterien.
  • D : Das Unternehmen erfüllt nur den kleineren Teil der Kriterien.
  • E : Das Unternehmen erfüllt keine oder nur einige wenige Kriterien.

Die Kriterien stellen Mindeststandards dar. Deren Erfüllung bedeutet somit nicht, dass die Leistung des Unternehmens als „sehr gut“ bezeichnet werden kann. Die Kriterien werden gewichtet, tragen also unterschiedlich stark zu einem Gruppenurteil bzw. zum Endurteil bei.

Das Endurteil wird überdies in Prozent angegeben: Die Prozentzahl gibt genauer an, wie viel der (gewichteten) Kriterien erfüllt wurden.

Die Kriterien im Einzelnen

  • Soziales (Anteil am Endurteil: 55 %)

Auflagen an Zulieferbetriebe. Bewertet wurden die Auflagen, die den Zulieferbetrieben erteilt werden: Gibt es einen Code of Conduct (CoC – freiwilliger Verhaltenskodex), werden die 8 zentralen ILO-Standards (keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit oder Sklaverei, keine Diskriminierung von Arbeitnehmergruppen, Gewerkschaftsfreiheit, Recht auf Kollektivverhandlungen, Bezahlung von living wages = Löhnen, die die Lebenshaltungskosten decken, maximale Arbeitszeit, Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz) abgedeckt? Ist dieser CoC öffentlich zugänglich? Gilt der CoC für die gesamte Zulieferkette in allen Ländern, in denen der Konzern produzieren lässt?

Kooperation. Wie eng ist die Zusammenarbeit mit NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und Gewerkschaften? Ist das Unternehmen Mitglied von Ethical Trading Initiative, Fair Labor Association, Fair Wear Foundation, Social Accountability International oder einer vergleichbaren Initiative?

Management. Gibt es einen für Sozialstandards verantwortlichen Manager im Unternehmen, und wenn – welche Position in der Unternehmenshierarchie nimmt er ein? Gibt es eine Einschulung für Einkaufsagenten, gibt es eine für Arbeiter und Manager der Fabriken? Gibt es Anreize, ein Prämiensystem für die Einhaltung der Sozialstandards?

Kontrolle. Hat sich das Unternehmen zu einem Audit verpflichtet, in dem die Einhaltung der Sozialstandards kontrolliert wird? Gibt es einen Arbeitsplan dafür, wurde er bereits umgesetzt? Werden die Produktionsstätten offengelegt? Ist die Audit-Methode öffentlich zugänglich und folgt sie allgemein üblichen Standards? Werden die Audits extern überprüft? Werden die Ergebnisse veröffentlicht? Gibt es Festlegungen, wie im Falle von Kodexverletzungen vorzugehen ist?

Sonstige soziale Kriterien. Wird die Umsetzung der Auflagen vom Unternehmen finanziert? Wie reagiert das Unternehmen auf Meldungen über Missstände? Gibt es eine Schwarze Liste von totalitären Ländern, in denen das Unternehmen nicht produzieren lässt?

  • Umwelt (20 %)

Gibt es einen jährlichen Umweltbericht? Gibt es konkrete, quantifizierte Ziele zur Reduktion negativer Umwelteinflüsse? Gibt es einen für Umweltschutz zuständigen Manager, auf welcher Unternehmensebene? Gibt es ein Umweltmanagement-System (EMAS), wird es auditiert, gilt es überall? Gibt es eine spezielle Politik für den Umgang mit Problemstoffen?

  • Produktpolitik (10 %)

In welchem Ausmaß wird Kleidung mit folgenden Gütesiegeln angeboten: Biozeichen, Öko-Tex-Standard, EU-Umweltzeichen, Fairtrade-Siegel? Wird die Herkunft der Produkte gekennzeichnet? Gibt es Pläne, solche Gütesiegel zu forcieren?

  • Transparenz (15 %)

Beantwortung des Fragebogens, öffentlich zugänglicher, jährlicher CSR-Bericht (CSR, Corporate Social Responsibility = Gesellschaftliche Unternehmensverantwortung); wird dieser von unabhängiger Stelle überprüft? Gibt es eine formale Politik für den Umgang mit Konsumentenbeschwerden? Haben Konsumenten Zugang zu Informationen über die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens?

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