KONSUMENT.AT - Recycling - Ehrgeizige Ziele

Recycling

Dreckiges Geschäft

Seite 3 von 4

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 6/2020 veröffentlicht: 28.05.2020

Inhalt

Ehrgeizige Ziele

Für Österreich bedeutet das: "Bis 2035 müssen zusätzlich 350.000 Tonnen Siedlungsabfall recycelt werden", erklärt eine Sprecherin der ARA. Zudem müsse Österreich bis 2029 eine Sammelquote für PET-­Getränkeflaschen von 90 Prozent erreichen. Zur Erreichung der EU-Recycling- und -Sammelziele für Verpackungen – insbesondere Kunststoffverpackungen – hat die ARA zwölf Maßnahmen definiert. Diese reichen vom Ausbau der getrennten Sammlung über die Implementierung technischer Innovationen wie Sortierverfahren und Digitalisierungskonzepte bis hin zur Gestaltung recyclingfähiger Verpackungen.

83 Prozent für Einweg-Pfand­system

Eine Meinungsumfrage, die kürzlich vom britischen Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov für die Changing Markets Foundation und GLOBAL 2000 durchgeführt wurde, zeigt: Die österreichische ­Bevölkerung wünscht sich ein entschlosseneres Vorgehen und mehr Verantwortung bei Plastikabfällen. 83 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Einweg-Pfand­system in Österreich aus.

Großer Aufwand

Die Umstellung auf ein Pfandsystem von Einweg-Getränkeverpackungen stellt eine große Herausforderung für die Logistik und Sammlung dar und ist verwaltungstechnisch und finanziell aufwendig“, gibt das Umweltministerium zu bedenken. "Von einer solchen Umstellung sind die Branche der Abfüller, der Handel, die Städte und Gemeinden, die Abfallwirtschaft und nicht zuletzt die Konsumenten betroffen." Ein bereits geplanter runder Tisch mit Ver­tretern von Wirtschaft, Interessenvertretungen, Konsumenten und NGOs wurde aufgrund der Corona-Krise verschoben.

"Für gewöhnlich sind die Opponenten eines Pfandsystems immer der Lebensmittel­einzelhandel und Recyclingunternehmen", erklärt Lena Steger, Plastik- und Ressourcen-Expertin bei GLOBAL2000. "Ersterer möchte sich nicht um die Rücknahme kümmern und Recycler befürchten, dass ihnen ein wertvoller Abfallstrom genommen wird."

Litauen und Deutschland

Steger verweist darauf, dass in einigen Ländern ein derartiges Pfandsystem bereits erfolgreich umgesetzt wurde, etwa in Litauen: 2015 hatte das Land noch eine getrennte Sammelquote von 34 Prozent für Plastikflaschen. Nach der Einführung eines Einweg-­Pfands konnte innerhalb von weniger als zwei Jahren eine getrennte Sammelquote von 92 Prozent erreicht werden. Gleichzeitig wird es Kunden erleichtert, sich für die nachhaltigere Mehrwegflasche zu entscheiden, da Getränkeverpackungen auf dieselbe Weise retourniert werden.

In Deutschland werden 98,5 Prozent der Getränkeverpackungen retourniert. "Dort sind nach der Einführung des Einweg-Pfands beinahe über Nacht die Getränkeverpackungen aus dem öffentlichen Raum oder der Natur verschwunden", konstatiert Lena Steger. "Somit ist es eine höchst effiziente Maßnahme gegen Littering."

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen

Kommentare

  • @Mehrwegflaschen für Milch
    von REDAKTION am 19.06.2020 um 09:51
    Die „Länger-Frisch-Milch“ wird deshalb in so großen Mengen produziert, weil die Kundennachfrage entsprechend hoch ist. Zu Frischmilch wird immer seltener gegriffen, sie verliert beim Durchschnittskonsumenten an Bedeutung. Das ist natürlich auch „praktisch“  für den Handel, weil die Länger-Frisch-Milch länger hält und nicht so viel weggeschmissen werden muss - was aber natürlich auch positiv für die Umwelt ist, denn Lebensmittel sind wertvoll, Stichwort Foodwaste. Da ist es nachvollziehbar, dass Produzenten Mehrwegflaschen, bei denen der Produktions- und Logistkaufwand doch deutlich höher ist, in einem ersten Schritt mit „Länger-Frisch-Milch“ befüllen. Ausgeschlossen ist es freilich nicht, dass auch Frischmilch in nicht allzu ferner Zukunft im Glasgebinde zu kaufen sein wird. Das hat aber in erster Linie mit gesetzlichen Rahmenbedingungen zu tun (verpflichtende Mehrwegquoten).
    Ihr KONSUMENT-Team
  • Mehrwegflaschen für Milch
    von einkauf.poelzl@gmx.at am 18.06.2020 um 08:01
    Ich würde sofort die Milch im Mehrweggebinde kaufen, ABER leider ist nur die aufwendig behandelte „länger frisch Milch“ in Glasflachen in den Regalen zu finden. Generell muss ich feststellen, dass es immer schwieriger wird, normale frische Milch im Handel zu bekommen.
    Warum produzieren die Molkereien zum großen Teil diese unnötige „länger frisch Milch“?