KONSUMENT.AT - Regional steht nicht automatisch für Qualität - Umdenkprozess: Wert von Lebensmitteln

Regional steht nicht automatisch für Qualität

Interview mit Hannes Royer (Land schafft Leben)

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KONSUMENT 12/2018 veröffentlicht: 22.11.2018

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KONSUMENT: Welche Förderungen für Bio-Bauern gibt es in Österreich?

Royer: Es gibt eigene Förderungen für Bio-Bauern und für Maßnahmen, die für bio erforderlich sind, zum Beispiel Tierschutzverpflichtungen. Für die Umstellung auf bio an sich gibt es keine Zahlung, sehr wohl aber für Maßnahmen, die für eine Bio-Umstellung notwendig sind, wie etwa den Bau eines besonders tiergerechten Stalles. Fachliche Unterstützung bekommen Bauern bei der Umstellung auf bio von Bio-Verbänden wie Bio Austria.

KONSUMENT: Bio-Obst und -Gemüse ist oft nur geringfügig teurer als herkömmliches. Müsste da die Nachfrage nicht höher sein?

Royer: Wir stecken mitten in einem Umdenkprozess: Bis in die 1980er-Jahre ging es vor allem darum, dass genug für alle da ist, die Produktion stand im Vordergrund. Die Qualität wurde ab den 1990er-Jahren wichtiger, und erst in den letzten Jahren gerieten Themen wie Tierwohl in das Bewusstsein der Konsumenten. Heute wäre der Wohlstand da, um mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, aber viele Menschen zahlen lieber 700 Euro für ein iPhone. In Österreich werden nur 10 % des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 22 %, in Italien 16 % und in den USA 6,2 %.

KONSUMENT: Woran könnte das liegen?

Royer: Menschen erkennen den Wert eines Lebensmittels nicht mehr, wenn es im Supermarkt abgepackt vor ihnen liegt. Wir Konsumenten entscheiden jedoch über die Herkunft und die Herstellung, wir vergeben den Produktionsauftrag: Wie soll ein Produkt hergestellt werden? Wir machen es uns zu leicht und schieben Verantwortung gerne auf Politiker oder Ärzte ab. Unser Einkaufsverhalten hat direkte Auswirkungen auf die Herstellung; wir können auch im Gasthaus fragen, woher die Lebensmittel kommen. Je mehr Menschen nachfragen, desto schneller wird sich etwas ändern.

KONSUMENT: Wären nicht trotzdem auch Politik und Wirtschaft gefordert, um Änderungen in der Herstellung zu bewirken?

Royer: Politik und Wirtschaft rechnen in zu kurzen Zeiträumen: Politisch wird in Vier-Jahres-Einheiten gedacht, Unternehmen denken gar nur in Quartalszahlen. Die Auswirkungen unseres Lebensstils sind jedoch enorm: Neben Umweltschäden leidet auch unsere Gesundheit. Laut WHO wird Diabetes Typ 2, verursacht durch falsche Ernährung, zur Krankheit Nr. 1 in westlichen Ländern. Der daraus entstehende volkswirtschaftliche Schaden ist noch nicht absehbar. Bauern müssen in Generationen, über 50 bis 100 Jahre, denken und wirtschaften. Wir sind nur kurze Zeit Gäste auf Erden und haben eine riesige Verantwortung für die nächste Generation. Bio denkt hier weiter als konventionelle Landwirtschaft.

KONSUMENT: Zu den Sponsoren Ihres Vereins gehören große Lebensmittelketten wie REWE oder Hofer. Ist da Unabhängigkeit gegeben?

Royer: Die Unternehmen reden uns nichts drein, weil sie wissen, dass der Verein nur durch seine Unabhängigkeit glaubwürdig bleibt. 

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