KONSUMENT.AT - Supermärkte im Ethiktest - Nachhaltigkeit im Unternehmen

Supermärkte im Ethiktest

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KONSUMENT 12/2011 veröffentlicht: 23.11.2011

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Nachhaltigkeit im Unternehmen

Was nun die innerbetriebliche Performance betrifft, so sind die Maßnahmen im Umweltbereich schon recht weit gediehen. Kein Wunder, denn der sparsame Umgang mit Energie und die Vermeidung von Abfall sparen ja auch Kosten. Aber auch dort, wo kein materieller Vorteil damit verbunden ist, werden die Konzerne initiativ: Rewe deckt seinen Strombedarf eigenen Angaben zufolge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern, Rewe und Spar haben sich konkrete Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen gesteckt, MPreis hat das Restmüllaufkommen seit 2006 um fast zwei Drittel gesenkt.

Hofer: der einzige, der höhere Löhne bezahlt

Im sozialen Bereich (Personalpolitik) ist die Bewertung nicht ganz leicht. Laut Angaben der Gewerkschaft ist Hofer der einzige, der höhere Löhne bezahlt als in der notorisch schlecht entlohnten Branche (laut Kollektivvertrag) üblich. Allerdings fällt ihm das auch leicht, weil Diskonter generell mit einem viel geringeren Personalstand auskommen als Vollsortimenter.

Während Lidl mit 0,77 Vollzeitbeschäftigten pro 100 m² Verkaufsfläche auskommt, Hofer mit 1 Beschäftigten, weist MPreis mit 3,4 Personen das beste Verhältnis auf. Bei allen Unterschieden der Geschäftsmodelle ist dies doch ein Indikator für eine deutlich niedrigere Arbeitsbelastung beim Tiroler Unternehmen.

MPreis: kein Betriebsrat

Großes Minus: Es gibt – wie bei Lidl – keinen Betriebsrat; die Bildung eines Betriebsrates wird laut Gewerkschaft von der Unternehmensführung torpediert. Am besten wird die Personalpolitik bei Spar beurteilt; die Pluspunkte sind hohe Lehrlingszahlen, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Gesundheitsmanagement und die gute Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft. Rewe fällt durch unterschiedliche Sozialstandards in seinem Reich auf: Sie dürften bei Billa deutlich besser sein als bei Penny oder Merkur.

Rewe: Vorreiter in Sachen Transparenz

Die institutionelle Verankerung von Nachhaltigkeitskriterien steckt meist noch in den Kinderschuhen. Sie wäre eigentlich Voraussetzung für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitspolitik, die sonst Gefahr läuft, auf Einzelfälle beschränkt zu bleiben oder von Einzelpersonen abhängig zu sein. Nur Rewe hat Strukturen geschaffen, um gesellschaftliche Verantwortung langfristig in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Der Konzern ist Vorreiter in Sachen Transparenz. Als einziges Handelsunternehmen veröffentlicht er einen Nachhaltigkeitsbericht, noch dazu nach dem höchsten Qualitätsstandard. Auch hier weisen internationale Branchenleader den Weg. Bei Marks & Spencer haben alle Führungskräfte nachhaltige Zielvorgaben zu erfüllen und werden auch entsprechend erfolgsabhängig entlohnt.

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Die Studie wurde von der Forschungsgruppe "Unternehmen & Gesellschaft" am Institut für Internationales Management der Universität Graz durchgeführt und kann hier abgerufen werden: http://uni-graz.at/fswecsr/nahaleh

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Kommentare

  • und nicht nur Schnittlauch
    von domo22 am 01.02.2012 um 19:33
    auch Knoblauch kommt aus China,allerdings nicht nur bei Hofer....
  • Schnittlauch aus Indien
    von kiara190461 am 27.12.2011 um 18:30
    Hofer macht groß Werbung für seine Bio-Produkte und wie viel CO2 denn damit nicht eingespart werde, verkauft aber gleichzeitig Schnittlauch aus Indien.