KONSUMENT.AT - Tierversuche - Dr. Klaus Schröder: "Es fehlen Forschungsprogramme"

Tierversuche

Qualen ohne Ende

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KONSUMENT 10/2012 veröffentlicht: 27.09.2012

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Interview mit Dr. Klaus Schröder ...

... Experte im Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (zet) in Linz.

KONSUMENT: Wie wahrscheinlich ist eine Verlängerung der Frist für ein Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und Inhaltstoffen nach 2013?

Schröder: Bei Prüfungen, wo eine Substanz erst nach Jahren eine negative Wirkung entfaltet, sind die Alternativmethoden noch weiter zu entwickeln und lassen noch keine gesicherte Aussage über die Sicherheit einer Substanz zu. Hier ist am ehesten mit einer Verlängerung der Frist zu rechnen. 

Was versteht man unter Alternativmethoden?

Hier greift das 3R Prinzip (Russel und Birch 1959): Reduce, Refine, Replace. Wo Tierversuche nicht vermieden werden können, werden sie auf das notwendige Maß reduziert bzw. die Versuchsbedingungen für die Tiere verbessert. Reine Ersatzmethoden verzichten auf den Tierversuch und nutzen z.B. Zellkulturtechnologien wie die biotechnologische Rekonstruktion von Geweben, Haut- oder Augenhornhautmodellen. Andere greifen auf Gewebe und Organe von Schlachttieren zurück (Rinderaugen, Schweinehaut etc.), und auch computergestützte Systeme kommen zum Einsatz, die Vorgänge im Körper simulieren. 

Wer ist verantwortlich für die Entwicklung von Alternativmethoden?

Im Entwurf des neuen Tierversuchsgesetzes für Österreich wird in §1 das Ziel definiert, Alternativen zum Tierversuch zu fördern. Somit scheint sich der Bund verantwortlich für die Entwicklung zu fühlen. Programme sind seitens des Forschungsministeriums allerdings nicht aufgelegt, wie dies zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Dort nimmt das BMBF eine jährliche Ausschreibung von Forschungsgeldern vor. Eine enge Kooperation zwischen Wissenschaft, Regulation und Industrie bezüglich der Nutzung und Anwendung von Daten aus Zellkulturversuchen oder Computersimulationen wäre wünschenswert. Letztendlich ist aber auch ein klares Bekenntnis der Politik/Gesetzgebung erforderlich, da Alternativmethoden einzusetzen, wo sie entwickelt und validiert und akzeptiert sind. 

Was kann zet dazu beitragen?

Zet hat sich seit der Gründung um eine verstärkte Kooperation in diesem Bereich gekümmert: unter anderem mit der Organisation von Kongressen, die alle Beteiligten an einen Tisch bringen, wie Anfang September 2012 beim Kongress von EUSAAT (European Society for Alternatives to Animal Testing).

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Kommentare

  • verschleierte Tierversuche
    von REDAKTION am 18.02.2015 um 13:07
    Sie orientieren sich am besten an den Prüfsiegeln - siehe Artikel. Eine hundertprozentige Garantie für tierversuchsfreie Produkte kann es allerdings nicht geben. Ihr Konsument-Team
  • verschleierte Tierversuche
    von strike am 18.02.2015 um 10:21
    Wie kann ich als Konsument verhindern,unwissentlich Produkte zu kaufen,die mit verschleierten Tierversuchen den Käufer absichtlich in die Irre führen ? Wie kann ich das erkennen?