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Schattenarbeit: Leser berichten

Gestohlene Zeit

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KONSUMENT 5/2016 veröffentlicht: 28.04.2016, aktualisiert: 24.11.2016

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Selbsthilfegruppen – traurige Entwicklung

Das Do-it-yourself (DIY) bei alltäglichen Bankgeschäften mittels Online-Banking  führen wir schon seit Jahren durch und finden es als eine große zeitliche Erleichterung, nicht wegen jeder Überweisung auf die Bank rennen zu müssen. Dass es aber für die ältere Generation schwierig ist mit all dieser Technik zurechtzukommen, ist verständlich.

Da wir DIY-mäßig familienintern recht geschickte Hände haben, schrecken  uns Selbstbaumöbel nicht sehr und wir sparen uns damit auch einiges an Geld bzw. gestalten die Möbel auch nach unseren Vorstellungen um.
Die Selbstablesungsmöglichkeit bei den Energieanbietern sehen wir auch als Erleichterung. Nicht jedes Jahr für die Ablesung von Strom, Wasser  und Gas jeweils zu einen Termin anwesend sein zu müssen (Einfamilienhaus, drei verschiedene Anbieter) ist schon angenehm.

Im Bereich der Selbsthilfegruppen ist die Entwicklung traurig. Unsere persönliche Erfahrung: Im AKH Wien/Kinderlinik wurde die Sozialarbeiterin vor 14 Jahren einfach komplett eingespart und die Eltern eines kranken oder behinderten Kindes werden an die "passende"  Selbsthilfegruppe verwiesen. Ist zur speziellen Erkrankung ihres Kindes  gerade keine Gruppe aktiv, bleiben die Eltern im Regen stehen und müssen  sich alle Informationen (zB über erhöhte Familienbeihilfe, Pflegegeld, Frühförderung,  Pflegeunterstützung für zu Hause) selbst besorgen bzw. herausfinden, wo sie überhaupt Infos bekommen, während sie ihr Kind pflegen und mit ihrer Situation sowieso schon oft überfordert sind. Bei schweren Fällen wird man AKH-intern von PsychologInnen aufgefangen. Alle anderen haben Pech, wenn sie nicht gerade Vertreter einer aktiven, engagierten  Selbsthilfegruppe zu ihrem Thema treffen. Die Selbsthilfegruppen arbeiten meist ehrenamtlich, die Mitglieder sind selbst betroffen und werden von öffentlicher Seite so gut wie gar nicht finanziell unterstützt. Die Vorstände müssen zu Spezialisten für Fundraising werden oder mit Pharmafirmen zusammenarbeiten, um die Tätigkeit des Vereines finanziell aufrecht erhalten zu können.

Kabelsignal hat letzten Herbst den DIY-Vogel abgeschossen: Es kam ohne  Ankündigung ein neues Modem per Post mit dem Ersuchen, man möge doch der  Firma Kabelsignal und sich selbst Zeit und Arbeit ersparen und das Modem  selbst installieren. Auch das haben wir selbst hingekriegt, uns aber geärgert, weil es doch einiges an Zeit gekostet hat.

Der DIY Trend hat manchmal positive Seiten (Zeit- und Geldersparnis), aber auch manchmal negative (Überforderung). Wer nicht  durchblickt, muss meistens tiefer in die Tasche greifen oder viel private Zeit opfern.
Nicht vergessen darf man aber dabei, dass es immer um die Einsparung von  Arbeitsplätzen geht, das ist das Traurigste daran! Das bedeutet: Je öfter man sich für DIY entscheidet, umso schneller wird es das entsprechende Angebot bald nur mehr als DIY geben und die entsprechenden  Arbeitsplätze eingespart.
Familie Hochleuthner

Anm. der Redaktion:
Wir hatten am 6.11.2015 die Pressestelle des AMS angeschrieben, nicht zuletzt um die Frage zu klären "Beeinflusst die Gratisarbeit der Kunden die Arbeitslosigkeit?". - Keine Reaktion.

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Kommentare

  • Selbstbedienungskasse
    von jtmayer am 05.11.2018 um 11:06
    Ich bin nicht bereit Selbstbedienungskassen zu benutzen. Es ist vor allen für ältere Personen schlichtweg unzumutbar, und vernichtet Arbeitsplätze.
    Sollte es keine Supermärkte mit Kassenpersonal mehr geben , werden kleine
    Läden wieder interessanter.
  • Schattenarbeit: Zeitfresser
    von epo1959 am 18.06.2016 um 11:52
    Wir haben es in der Hand wie die Firmen uns behandeln, dazu ein gutes Buch von Graig Lambert mit dem Titel "Zeitfresser".