KONSUMENT.AT - Kinder auf der Straße: Scooter, Skateboard, Rad - Einrad als Ausnahme

Kinder auf der Straße: Scooter, Skateboard, Rad

Was ist erlaubt?

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KONSUMENT 7/2017 veröffentlicht: 07.04.2017

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Einrad als Ausnahme

Einzige Ausnahme von dieser generellen Regel ist das Einrad: Dessen Benutzung ist fast überall verboten, außer in Wohn- oder Spielstraßen. Lapidare Begründung: Ein Einrad ist kein Fahrzeug im Sinne der Straßenverkehrsordnung.

Was ist nun ein „fahrzeugähnliches Kinderspielzeug“, wie ist die Abgrenzung zu Fahrzeugen für Erwachsene? Das spielt vor allem für Tretroller und Fahrräder eine Rolle. Sie werden nur dann als Kinderspielzeug eingestuft, wenn der äußere Felgendurchmesser 300 mm nicht übersteigt und eine Fahrgeschwindigkeit von höchstens 5 km/h erreicht werden kann. Vor allem letztere Bestimmung erscheint ziemlich praxisfern – ein Fahrrad, mit dem nicht mehr als 5 km/h erreichbar sind, muss vermutlich erst erfunden werden.

Nicht behindern, nicht gefährden

Aber bleiben wir bei den geltenden Bestimmungen. Wie ist die Bedingung, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden dürfen, zu interpretieren? Auf jeden Fall sollte die Geschwindigkeit an die jeweilige Situation angepasst werden. Deshalb ist auch wichtig, dass kleinere Kinder nicht unbeaufsichtigt fahren dürfen. Ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener sollte dabei sein.

Keine kleinen Erwachsenen

Kinder erleben ihre Umwelt völlig anders als Erwachsene. Aufgrund ihrer geringeren Körpergröße bemerken sie herankommende Fahrzeuge später. Sie haben überdies ein engeres Sichtfeld, daher nehmen sie von der Seite kommende Fahrzeuge später wahr. Bis zu einem Alter von acht Jahren können sie Entfernungen und Geschwindigkeiten oft nicht richtig einschätzen. Kinder haben einen großen Bewegungsdrang, vor allem nach stundenlangem Stillsitzen in der Schule. Sie können einmal begonnene Bewegungen – etwa einem Ball nachlaufen – nur schwer abbrechen.

Erwachsene sind Vorbild

Entscheidend ist die Vorbildwirkung von Erwachsenen. Eltern sollten ihre Kinder daher zunächst auf dem Schulweg begleiten und sie auf gefährliche Stellen wie Straßenkreuzungen, Kanaldeckel oder andere Stolperfallen hinweisen. Kinder sollten Reflektoren an Kleidung und Schultasche tragen, damit sie von anderen Verkehrsteilnehmern besser (früher!) gesehen werden. Seit 2011 müssen Kinder unter 12 Jahren beim Radfahren einen Helm tragen. Aus Sicherheitsgründen sollten sie im Straßenverkehr stets einen Kopfschutz tragen, auch wenn sie beispielsweise einen Roller fahren oder älter als 12 Jahre sind.

Allein auf dem Schulweg

Dürfen Kinder allein zur Schule fahren? Gesetzlich gibt es wie erwähnt die 12-Jahre-Altersgrenze (bei bestandener Radfahrprüfung 10 Jahre). Viele Kinder fahren schon davor allein mit dem Roller auf dem Gehsteig – grundsätzlich verboten, aber es wird geduldet. Das gilt aber nur, solange nichts passiert. Wird das Kind in einen Verkehrsunfall verwickelt, haften Eltern für die Schäden, die ihr Kind verursacht, wenn sie die Aufsichtspflicht verletzt haben. Es stimmt zwar, dass dies nur selten bestraft wird, weil die Verletzung der Aufsichtspflicht schwer nachzuweisen sein wird; es hängt vom Alter des Kindes und der konkreten Situation ab.

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Kommentare

  • e-Scooter
    von REDAKTION am 28.04.2017 um 16:53
    Elektroscooter mit einer Bauartgeschwindigkeit bis 25 km/h und 600 Watt werden wie Fahrräder behandelt. Liegen die Werte darüber gelten sie als Motorfahrräder und sind ausschließlich auf der Fahrbahn zu verwenden. Inwieweit Irreführung durch Händler vorliegt, lässt sich generell nicht beantworten. Man müsste sich den konkreten Fall ansehen. Man ist aber auf jeden Fall gut beraten, sich über die Bestimmungen zu erkundigen und vom Händler eine (schriftliche) Bestätigung zu verlangen. Ihr Konsument-Team
  • e-Scooter
    von frappe am 27.04.2017 um 21:47
    Ich denke, das Thema betrifft nicht nur Kinder. Die E-Roller sind bspw. auch bei Erwachsenen begehrt. Angeblich sind die Modelle, die eine Maximalgeschwindigkeit von 25 h/km haben, e-bikes gleichgestellt und dürfen auf der Straße verwendet werden. Stimmt das? Und dann gibt es die Händler, die e-Roller, die schneller sind, trotzdem mit einem 25 h/km Maximum ausweisen. Wer darauf reinfällt und meint mit so einem Roller im legalen Rahmen unterwegs zu sein, hat bei einem Unfall dann vermutlich die größten Schwierigkeiten. Sind dann die Händler wegen irreführender Werbung auch haftbar? Bzw. gibt es eine Möglichkeit gegen eine derart irreführende Werbung vorzugehen?